Sind Online-Kurse die neue Bildungsrevolution?

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Mit ihnen sollte die nächste große Bildungsrevolution kommen. MOOCs sollten in Form von Videos und Online-Feedback den Präsenzunterricht ersetzen. Doch es kam ganz anders. 

Entstanden sind die „Massive Open Online Courses“ in Amerika, um die hohen Studiengebühren zu umgehen und um Bildung demokratischer zu gestalten. Auch in Deutschland wurde die neue Unterrichts-Methode ausprobiert.
Wir erklären, was es mit den MOOCs auf sich hat. Andrea Fausel von der Hochschuldidaktik Tübingen hat uns dabei geholfen.

  • Andrea Fausel kümmert sich bei ihrer Beratungstätigkeit an der Uni Tübingen bei der Arbeitsstelle Hochschuldidaktik darum, Lehrende bei Neuerungen zu unterstützen und somit die Lehre zu verbessern. Dabei schaut sie, was zur jeweiligen lehrenden Person und deren Kursangebot passt. Außerdem kümmert sie sich um zusätzliche Qualifizierungsangebote für Einrichtungen/Lehrstühle/Fachbereiche und um fachdidaktische Beratung zu E-Learning. Dabei berät sie z.B. bei Fragen, wie der Präsenzunterricht sinnvoll unterstützt werden kann, was bei Vor- und Nachbereitung der Studierenden nützlich sein kann, oder was technische Neuerungen für die Lehre bedeuten, Stichwort Digitalisierung und Technisierung der Unis.
MOOCs und ähnliche Formen in Tübingen
– Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen bietet auf einer eigens dafür bereitgestellten Plattform e-teaching.org Hilfestellungen, um das E-Learning-Angebot an Hochschulen zu erweitern. Dafür bieten sie auch Open Online Courses (OPCO) an, die sich mit der Thematik des E-Learning beschäftigen. Auch dieses Konzept hat Ähnlichkeiten zu den MOOCs, ist jedoch keiner.
– Der einzige aktuell aktive MOOC in Tübingen ist die „Sectio Chirurgica“ von PD Dr. Bernhard Hirt der Anatomie der Uni. Dieser läuft über die Plattform „iversity.org“, das europäische Äquivalent zu coursera und somit, was den Datenschutz betrifft, sicherer, als über amerikanische Plattformen.
– Das Rechenzentrum der Uni Tübingen bietet die Plattform „TIMMS“ an, über welchen aufgenommene Vorlesungen abgerufen werden können. Jedes Semester werden um die neun Vorlesungen aufgenommen und online auf timmsrc.uni-tuebingen.de zur Verfügung gestellt.
Vor- und Nachteile der MOOCs in der Übersicht
Vorteile
– Jeder kann teilnehmen
– Kostenloses Lernmaterial
– Orts- und Zeitunabhängigkeit
– Demokratisierung des Studienangebots

Nachteile
– Nutzer in Deutschland sind zum größten Teil Menschen mit Abschluss und nur zu einem geringen Teil tatsächlich Studenten
– Unverbindlichkeit führt zu hohen Abbrecher-Quoten
– Datenschutzprobleme, wenn die Kurse über amerikanische Plattformen wie z.B. coursera laufen. Für diese gelten amerikanische Datenschutzrichtlinien, die Nutzung von vorhandenen Daten gerade von Teilnehmern zu jeglichen Zwecken erlauben. Über europäische Plattformen sieht das wieder anders aus, denn dort gelten auch die europäischen Richtlinien.
– Schwierigkeit bei der Zertifizierung. Der Teilnehmer hat Kosten von um die 50 Euro, aber keine große Anerkennung, da Manipulation der Ergebnisse möglich ist
– Kein Feedback durch den Dozenten, sondern durch andere Teilnehmer und ist somit eher fragwürdig
– Hohe Produktionskosten und Zeitaufwand

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Über

Sandra Hirsch

... studiert seit 2015 Medienwissenschaft und empirische Kulturwissenschaft an der Uni Tübingen und ist genauso lang bei cantaloup.fm.

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