Der Bierkeller bleibt – aber nicht derselbe

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Nach ersten Gesprächen mit dem Amt Vermögen und Bau präsentierte das Bierkeller-Kollektiv mögliche Zukunftsszenarien zum Erhalt der Tübinger Kultkneipe. Schließen muss sie voraussichtlich nicht.

Gestern Abend besprach das Bierkeller-Kollektiv die Vorschläge des Amtes Vermögen und Bau (VBA) in einem öffentlichen Treffen mit seinen Unterstützern. Die Vorschläge seien vorläufig und bislang nur teamintern besprochen, so die gestrigen Sprecher der Bierkeller-Mitarbeiter Kai Stuber und Luka Babic.

Vor wenigen Monaten noch galt ein Ende des Bierkellers im Juli 2018 als wahrscheinlich. Grund ist der geplante Umbau der Mensa Wilhelmstraße. Gegen die Schließung unterzeichneten innerhalb von anderthalb Monaten über 27.00 Menschen eine Petition. Diverse Fachschaften sowie der Tübinger MdB Chris Kühn sprachen sich ebenfalls für den Erhalt aus. Nicht zuletzt diese Unterstützung habe einen solchen Ausgang des Gesprächs mit dem VBA ermöglicht, so Stuber. Wie er mitteilte, wolle sich das VBA dafür einsetzen, dass der Bierkeller dauerhaft erhalten bleibt, d.h. auch eine temporäre Schließung verhindern.

Ein dauerhafter Wochenendbetrieb ist die Mindestforderung des Bierkeller-Kollektivs. Zwei oder drei Jahre Schließung könnten einen irreparablen Schaden für die Kneipe verursachen. Die Kneipe wird von Studenten betrieben, die danach vielleicht nicht mehr studieren. Der Name des Betriebs könne zudem in Vergessenheit geraten, erklärten die Sprecher. Sie lobten daher den Leiter des VBA Tübingen Bernd Selbmann für seine Kooperationsbereitschaft. Ziel der Verhandlungen ist es nun, mögliche langfristige und Übergangslösungen zu konkretisieren:

Möglichkeit 1: Ohne Küche im Mensagebäude
Dass der Bierkeller langfristig im Mensagebäude bleibt, ist unwahrscheinlich. Ein Partybetrieb wäre zwar weiterhin möglich, der Bierkeller hätte allerdings nach den derzeitigen Bauplänen Einbußen an Lagerfläche, Kühlraum und Tanzfläche. Die Küche würde definitiv wegfallen – entscheidend für den Betrieb. Die Decken würden zudem niedriger sein, weil die Fläche darüber abgesenkt wird.
Möglichkeit 2: Im Clubhaus
Die Cafeteria des Clubhauses bleibt laut Stuber nur bis zum Mensa-Umbau. Dort könnte der Bierkeller eventuell einziehen. Das Kollektiv plant daher Gespräche mit den Fachschaften und dem angrenzenden Studentenwohnheim Wilhelma. Denkbar wäre ein Biergartenbetrieb im Sommer. Das Kollektiv muss zudem mit den Fachschaften über die Ausrichtung des Clubhausfestes sprechen.
Möglichkeit 3: In der Alten Physik
Der Bierkeller könnte ein Bierkeller bleiben – im Gewölbekeller der Alten Physik in der Gmelinstraße 6. Fläche und Ambiente sind verlockend, allerdings sind größere Bauarbeiten nötig, beispielsweise für Sanitär- und Ausschankanlagen. Die Nutzung des Erdgeschosses wurde in der gestrigen Sitzung als Übergangslösung vorgeschlagen. Ob das Gebäude zur Verfügung steht, ist zurzeit unklar.

“Das Wichtigste ist, dass wir den Laden erhalten.”

Ob Küche, Flair oder Öffnungszeiten – mit Änderungen des Bierkeller-Konzepts ist laut Stuber zu rechnen. “Wir sind prinzipiell für alles offen. Das Wichtigste ist, dass wir den Laden erhalten.” Derzeit werden weitere Gespräche mit dem VBA Tübingen erwartet. Das Kollektiv bittet seine Unterstützer bis dahin, an einer Umfrage zu den Möglichkeiten teilzunehmen und weitere Vorschläge und Anmerkungen einzubringen. Informationen zur Umfrage und Unterstützungsmöglichkeiten soll es laut Veranstalter in Kürze auf Facebook sowie auf der Website des Bierkellers geben.

  • … wird von einem Kollektiv verwaltet. Durch die Nähe zu den Universitätsgebäuden im Tal ist der Bierkeller die Stammkneipe der meisten Fachschaften. Sie existiert seit 31 Jahren.

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Über

Oliver Schaub

... studiert Allgemeine Rhetorik und Politikwissenschaft. Namensgeber von cantaloup.fm mit hoher Stirn und tiefer Stimme. Seit Oktober 2014 beim Uniradio; von Mai bis Dezember 2016 studentische Hilfskraft mit Schwerpunkt "Text".

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