Prüfungsangst – Ein Alltagsleiden für Studierende?

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Stress, Übelkeit, schlechte Laune – Angst vor Prüfungen und Leistungsdruck sind für Studenten geradezu normal. Doch was kann man tun, wenn die Prüfungsangst krankhaft wird?

Es ist Semesterende und damit stehen sie an – Prüfungen und Hausarbeiten. Der Lernstress bringt Anspannung und Nervosität unweigerlich mit sich. Nicht bei jedem bleibt es beim leichten Kribbeln im Bauch. Problematisch ist richtige Prüfungsangst.

Aber läßt sich Prüfungsangst überhaupt definieren?
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Wenn das jetzt über eine Nervosität hinausgeht, die sicherlich viele in so einer Bewertungssituation haben und wenn es dann auch wirklich unter Umständen dazu führt, dass jemand hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Also in einer Prüfung dann doch auch gar nicht ein Stück weit zeigen kann, was er so kann, weil er so beeinträchtigt ist, weil er nicht mehr gut denken kann.

Stefan Balz ist Psychotherapeut an der Psychologischen Beratungsstelle des Studentenwerks Tübingen-Hohenheim. Gerade zur Prüfungszeit ist er mit Prüfungsangst vollauf beschäftigt.
Nach einer aktuellen Erhebung des Studentenwerks kamen im letzten Jahr über 600 Personen in die psychologische Beratungsstelle. Rund 30% davon wegen Prüfungsangst . Und tendenziell wird es dabei nicht bleiben, sagt Balz.

Aber aus anderen Beratungsstellen wissen wir schon, dass das Phänomen tendenziell schon zugenommen hat, so in den letzten Jahren und letztendlich auch Jahrzehnten.

Ein Auslöser: Die Studiengangsreform

Sie hat einen höheren Zeit- und Leistungsdruck für die Studenten mit sich gebracht. Ein Resultat: Prüfungsangst. Wie alle Ängste warnt sie vor einer bestimmten Situation und steigert die Aufnahmebereitschaft und Aufmerksamkeit des Betroffenen – wer nur leichtes Lampenfieber kriegt, profitiert beim Lernen und Arbeiten von der hohen Adrenalinausschüttung. Anders sieht es jedoch für alle diejenigen mit einer Angststörung aus: Denn hier überwiegt die Angst vor der Angst – die Angst, die Situation, vor der gewarnt wird, nicht meistern zu können. Anstatt sich auf die Prüfung oder auf die Hausarbeit zu fokussieren, konzentriert sich Student stattdessen auf die Angst selbst – und ist damit in einem endlosen Kreislauf gefangen.

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Die Auswirkungen zeigen sich in den unterschiedlichsten Stufen. Diplompsychologin Stefanie Eggert, erklärt ihre Bandbreite:

Manchmal sind es psychische Symptome, so Versagensängste, Ängste, eben völlig zu versagen, im Sinne von, dass dann hinterher auch Türen zu sind. Manchmal sind es auch körperliche Symptome wie Herzklopfen, Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Übelkeit.
Und damit nicht genug:

Fälle, die einem schon so ein bischen im Gedächtnis bleiben, sind natürlich beispielsweise auch die mit wirklich ganz ausgeprägten Symptomen, wo es dann auch Leute gibt, die sich ganz regelmäßig vor Prüfungen übergeben.

Prüfungsangst zieht sich durch das gesamte Semester

Wenn es einmal so weit gekommen ist, ist es keine Seltenheit, dass Prüfungen gar nicht erst angetreten werden. Hinzu kommt: Wer Angst vor Prüfungen hat, lernt auch oft schon im Semester schlechter. Schließlich verschiebt Student unangenehmes gerne in die ferne Zukunft.
Stefan Balz fasst das Problem zusammen:

author_e83cb70728f3063ecd0b470de7444e90fe76e6dd1cb818469cf6c0_1280Dann haben die natürlich ein doppeltes Problem: Zum einen, die Angst wird dadurch eher stärker, weil sie wirklich nicht gut vorbereitet zur Prüfung kommen.

Und ja im Endhinein auch faktisch ein höheres Risiko haben, die Prüfung auch nicht zu bestehen, weil sie das, was eben auch möglich wäre zu tun, dann eben auch in dem Maße nicht gemacht haben, weil sie sich nicht vorbereitet haben.

Für das Problem gibt es aber auch eine Lösung:

Was erst einmal als Lösung einfach klingt, nämlich rechtzeitig und kontinuierlich lernen und vorbereiten, ist es auch. Trotzdem bleibt es oft Theorie. Helfen kann beim Verwirklichen der guten Vorsätze zweierlei: Zum einen rechtzeitig Hilfe holen – eben nicht erst in letzter Minute.
Zum anderen hilft ein Blick in die eigene Vergangenheit.

graduation-1580019_640Wo war ich schon mal in einer ähnlichen Situation, gerade in einer Prüfungssituation, vor der ich große Angst hatte, auf die ich mich dann gut vorbereitet habe und die dann gut gelaufen ist. Also: Wo ist mir was vergleichbares schon mal gelungen.

Für Stefanie Eggert sind solche positiven Erfahrungen ausschlaggebend. Um sie zu sammeln, hilft es ihrer Meinung nach auch, simulierte Prüfungen, Probeklausuren und ähnliches zu absolvieren.

Eine positive Einstellung zu Prüfungen ist auch deshalb so wichtig, weil Bewertungssituationen etwas alltägliches sind. Jeder muss ständig Fragen beantworten, sich rechtfertigen, sich selbst vermarkten und Leistungen erbringen. Bei den Uniprüfungen kommen “nur” noch die Noten dazu.

Scheitern ist immer möglich, doch wer sich darauf fokussiert, drängt sich selbst ins Abseits und vergisst etwas Entscheidendes: Die Chance, in einer Prüfung zu glänzen und mit ihr einen Erfolg zu erzielen.

  • Die psychologische Beratungsstelle des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim bietet Unterstützung bei studienbezogenen, aber auch persönlichen Problemen. Die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht und die Beratung ist kostenfrei.

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Über

Charlotte Geißler

... ist seit Anfang 2016 bei cantaloup.fm und auch im Social-Media-Team tätig. Ihre Begeisterung für das Schreiben und für den Journalismus kann sie hier praktisch umsetzen.

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