Alles im Griff: Bouldern in Tübingen

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Beim Bouldern geht es neben der körperlichen Herausforderung auch um Taktik. Wer sich zum Ziel aufschwingen will, braucht ein gutes Zusammenspiel von Körper und Kopf.

Längst hat es das Bouldern von den Felswänden in die heimischen Sporthallen geschafft. Wir stellen euch den beliebten Klettersport vor.

Immer höher und höher. Noch ein Stück, bloß nicht abrutschen. Der Klettersportler schwingt sich zum nächsten Griff, verfehlt ihn und stürzt – auf die Bodenmatte. Beim Bouldern gehört das Fallen genauso dazu wie das Klettern. Boulder ist englisch und bedeutet „Felsblock“. Der Begriff „Bouldern“ bezeichnet eine Sportart, bei der ohne Seil geklettert wird. Dabei wird an Felsblöcken oder künstlichen Kletterwänden trainiert. Im Mittelpunkt steht vor allem ein schwungvoller und dynamischer Bewegungsstil. Trainiert wird in Absprunghöhe, also gerade noch so niedrig, dass sich der Sportler beim Fallen nicht verletzt.
Manfred Aberle ist Betriebsleiter des B12, der Boulderhalle in Tübingen. Er selbst bouldert seit seiner Jugend. „Bouldern hat vor 30 Jahren nicht den Stellenwert gehabt, aber das gibt’s schon immer. Es ist eine Fehlannahme, dass man denkt, das Bouldern ist so eine neuzeitliche Erscheinung. Bouldern ist auch ne Sache, die von draußen nach drinnen gekommen ist, die schon immer da war und schon immer Teil des Bergsports war.“
Der Kletter-Experte weiß, was den Sport ausmacht: „Ne Bewegungsaufgabe zu lösen, auf die man total fokussiert sein muss. Bouldern war auch immer schon Training fürs Seilklettern, weil’s halt so intensiv ist. Weil so extreme Kraftspitzen verlangt werden, weil man auch in der Technik sehr variabel sein muss.“

Es ist also die Herausforderung, die Spaß macht. Die Sportart hat auch Khang Huynh für sich entdeckt. Er bouldert seit etwa einem Jahr in Tübingen. „Man sieht relativ schnell Erfolge. Das finde ich ziemlich cool. Es gibt auch verschiedene Schwierigkeitsgrade. Man hat für sich immer so ein Erfolgserlebnis.“

Boulderer schaffen es alleine die Wand hoch. Erfolge hat der Einzelne. Wenn jeder auf sich selbst konzentriert ist, stellt sich die Frage, wo da der Teamgeist bleibt.
Khang Huynh sieht das folgendermaßen: „Gerade hier in Tübingen sind die Menschen sehr offen. Es ist einfach ne schöne Atmosphäre. Man hat beim Bouldern nicht den Kletterpartner, wie man das hat, wenn man am Seil klettert. Beim Bouldern findet man schon vermehrt Einzelkämpfer, aber Boulderer sind auch Rudeltiere. Es ist schon schöner gemeinsam zu Bouldern.“

Und in Tübingen wird gemeinsam gebouldert. Bunt durchmischt ist seine Klettergemeinschaft, sagt Manfred Aberle. Bei uns bouldern Leute von 6 bis 75 Jahren. Durch den Standort an der Unistadt Tübingen haben wir schon einen großen Vorteil. Weil junge Erwachsene die sich vielleicht nicht im Vereinssport engagieren und trotzdem ne Sport- oder Outdooraffinität haben, die kommen sehr schnell zum Bouldern. Das ist sehr naheliegend in Tübingen. Und das merken wir. Die Studenten, das ist so mit die Hauptnutzergruppe.

Im Prinzip kann jeder die Sportart ausüben, so der Kletter-Experte. Einschränkungen gibt es allerdings körperlicher Art. Für Menschen mit Rückenproblemen oder empfindlichen Sprunggelenken kann das Abspringen zum Problem werden. Hier empfiehlt Aberle das Seilklettern als gelenkschonendere Alternative.

Dass der Körper auf die Belastung reagiert, ist auch Khang Huynh nicht entgangen. “Man kriegt relativ schnell Blasen am Anfang, beziehungsweise man kriegt relativ schnell Hornhaut, kommt richtig gut bei Mädels an. Ansonsten, ich hab einen stärkeren Körper bekommen. Seit ich boulder hab ich das Gefühl, dass mein ganzer Körper beansprucht wird. Am Anfang merkt man das schon eher an den Fingern und an den Armen, wenn man ohne Technik klettert.”

Beim Bouldern kommt es erst ein mal nicht darauf an, wie gut man tatsächlich klettert, sagt Khang Huynh. Jeder sollte sich sein eigenes Ziel setzten. Interessenten sollten vor allem drei Dinge mitbringen: Gute Gelenke, Spaß und die Bereitschaft zu fallen.

  • Foto: Manfred Aberle

    Foto: Manfred Aberle

    Manfred Aberle klettert seit über 30 Jahren. Er ist Betriebsleiter des B12, der Boulderhalle in Tübingen.

  • Foto: Khang Huynh

    Foto: Khang Huynh

    Khang Huynh bouldert seit etwa einem Jahr. Die Sportart begeistert ihn so sehr, dass er anfangs beinahe jeden zweiten Tag in die Halle ging.

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Über

Jacqueline Schreil

... studiert schon viel zu lange Allgemeine Rhetorik und Germanistik an der Uni Tübingen. Sie ist seit Februar 2017 freie Mitarbeiterin bei cantaloup.fm und gestaltet den Social Media-Auftritt mit.

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