Nach den Sternen greifen

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Den Ursprung allen Lebens ergründen, das klingt unmöglich. Forscher sind diesem Vorhaben aber nähergekommen, mithilfe eines ganz besonderen Himmelskörpers. Der befindet sich in Tübingen.

“Das ist das älteste Material, was sie jemals in den Händen halten können. Älter geht einfach gar nicht. Und das finde ich, muss man den Besuchern auch mal geben, diese Chance, dass sie das Urmaterial in die Hand bekommen, nicht?”

Das findet Doktor Udo Neumann, der Zuständige für die Mineralogische Sammlung der Uni Tübingen. Die Rede ist vom Murchison-Meteoriten, der vor 40 Jahren auf Australien prallte. Im Museum der Universität ist er ein Herzstück der kommenden Sonderausstellung. „Origins – Ursprünge“ heißt sie. Passend dazu bildet der Meteorit den Auftakt der Ausstellung. Denn der Murchison kann uns eine ganze Menge über Ursprünge verraten:

“Ich glaube, das Interessante an diesem Meteoriten ist, dass wir Material bekommen, was uns Auskunft gibt über den Beginn, die Entstehung unseres Sonnensystems. Das ist eben das Spannende, weil auf der Erde finden wir solche Minerale und Gesteine nicht mehr.”

Unser Sonnensystem ist aus der Explosion eines Sternes entstanden, vor etwa 4 bis 5 Milliarden Jahren. Alles, was es in unserem Sonnensystem gibt, hat seinen Ursprung in diesem Sternenstaub, der Urmaterie sozusagen. Die Erde selbst hat sich aus dieser Urmaterie über Abermillionen von Jahren immer weiter entwickelt, bis sie zu dem Planeten wurde, den wir heute kennen. Im Gegensatz dazu hat sich der Murchison kaum verändert. Er gehört zu den „kohligen Chondriten“, einer Unterkategorie der Steinmeteorite.

“Das Besondere ist, dass diese kohligen Chondrite die Minerale und den chemischen Bestandteil repräsentieren, der ursprünglich zu Beginn unseres Sonnensystems vorhanden war und aus dem sich alle anderen Meteoriten, Asteroiden, Planeten und die Sonne gebildet haben. Im Prinzip entspricht es der Zusammensetzung unserer Sonne und damit zu fast 100% unserem Sonnensystem.”

Das besteht fast vollständig aus Sonnenmasse. Schon lange vor unserem Sonnensystem gab es das Universum. Durch den berüchtigten Urknall, dem Big Bang, entstand dieses vor 14 Milliarden Jahren – im Grunde genommen aus dem Nichts. Seitdem dehnt sich das Universum aus; mit der Zeit entwickelten sich Gas- und Staubwolken, Sterne bis hin zu ganzen Galaxien. Die immer wiederkehrende Explosion von Sternen erzeugt interstellaren Staub.

“Zum Beispiel hat man in diesen Meteoriten, und darunter fällt auch der Murchison, Reste von diesem interstellaren Staub gefunden und das sind Diamanten, Graphit und andere Mineraloxyde.”

Diese sind älter als unsere Sonne. Sie sind bei der Entstehung des Sonnensystems in den Meteoriten als feste ältere Bestandteile miteingeschlossen worden, erklärt Udo Neumann. Und noch eine weitere Erkenntnis brachte der lang erforschte Murchison-Meteorit:

“Das Überraschendste und das, was auch wirklich neu war, war, dass der Murchison-Meteorit eine große Anzahl an organischen Verbindungen aufweist. Also sehr viele Moleküle, die aus Kohlenwasserstoffen bestehen und das wird immer noch weiter analysiert, weil die Analytik immer besser wird. Das heißt auch in den letzten Jahren wird immer wieder daran gearbeitet. Und man findet also Zigtausende von organischen Molekülen in diesem Meteoriten-Material. Und die Strukturen dieser einzelnen Moleküle unterscheiden sich auch noch und das ist einfach eine Vielfalt und Komplexität an organischem Material, was man sich nicht vorher vorstellen konnte.”

Diese Informationen können helfen herauszufinden, in welcher zeitlichen Abfolge die Moleküle im Meteoriten entstanden sind. Das wiederum würde Hinweise auf die Entstehung des Sonnensystems geben, und damit auf den Ursprung unseres Lebens.

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    Foto: privat

    Dr. Udo Neumann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen. Er ist Experte auf dem Gebiet der  Auflichtmikroskopie, Juror bei “Jugend forscht” und Ansprechpartner für die Mineralogische Sammlung der Universität, die sich in der Nähe vom Lothar-Meyer-Bau befindet.

#ursprünge
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Medienpartnerschaft von cantaloup.fm und dem Museum der Universität Tübingen (MUT) zur Jahresausstellung 2017. Die Ausstellung zum 20-jährigen Jubiläum des MUT, Ursprünge – Schritte der Menschheit, ist vom 20. Mai bis zum 3. Dezember 2017 geöffnet. Ursprünge möchte anhand von “Epochemarkern” die Entwicklung der Menschheit nachvollziehen. Die Themen der Ausstellung reichen von der Entstehung des aufrechten Gangs und den Ursprüngen von Kunst, Religion, Musik und Schrift bis hin zur Globalisierung.

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Über

Magdalini Chatsatrian

… studiert seit 2013 an der Uni Tübingen. Highlight ihres bisherigen Studiums war ihr Auslandsaufenthalt in Russland. Bei cantaloup.fm macht sie seit Anfang 2017 mit.

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