Studiengebühren für Ausländer: Bildung ist kein Luxusgut!

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In Baden-Württemberg sollen Studiengebühren für Ausländer von außerhalb der EU eingeführt werden. Gerade Menschen aus Entwicklungsländern können das Geld jedoch nicht aufbringen. Ein Kommentar.

Freie Bildung für alle!

Bildung sollte heutzutage für jeden frei verfügbar sein. Denn die moderne Gesellschaft und Demokratie baut darauf auf. Durch die Errungenschaften und Diskurse der Wissenschaft hat sich der Mensch stetig weiterentwickelt und den Lebensstandard – zumindest in Deutschland – kontinuierlich angehoben. Man denke nur an den technischen Fortschritt und neue Behandlungsmöglichkeiten in der Medizin.

Befürworter der Studiengebühren argumentieren so: Ohne die Gebühren kommt die ganze Welt nach Deutschland, um kostenlos zu studieren. Und anschließend gehen dann alle wieder dahin zurück, wo sie herkamen. Daran ist aber so vieles falsch.

Erstens gehen nicht alle wieder zurück. Die bleibenden Absolventen bringen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in die deutsche Gesellschaft und Wirtschaft ein. Das heißt, es geht auch Baden-Württemberg Know-How verloren, wenn sich Ausländer ein Studium hier nicht mehr leisten können.

Zweitens leben wir in Zeiten der Globalisierung. Deutschland kann also auch davon profitieren, wenn in anderen Ländern Innovationen hervorgebracht werden.

Nachhaltige Entwicklungshilfe

Drittens: Ist es denn so schlimm, wenn Absolventen wieder zurückgehen? Vor allem bei Studierenden aus Entwicklungsländern kommen mir da Zweifel. Und die Ausnahmeregelungen zur Befreiung von den Studiengebühren sollen längst nicht für alle Menschen aus Entwicklungsländern gelten. Dabei könnten diese Menschen durch ihr Studium in Deutschland in ihren Heimatländern die Armut bekämpfen, einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, unsere Werte vermitteln und Lösungen für gesellschaftliche Probleme entwickeln. Ist das so ein schreckliches Szenario? Anstatt Milliarden in entwicklungsbedürftige Länder zu pumpen, ohne zu wissen wo das Geld am Ende landet, könnte über diese Schiene nachhaltige Entwicklungshilfe geleistet werden.

Außerdem lassen sich Menschen, die besser gebildet sind, viel weniger radikalisieren und tendieren seltener zu extremen Weltbildern. Das Anheben des allgemeinen Bildungsniveaus sollte also im Interesse von jedem sein!

Leider hat die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Bauer offenbar nur eine Haushaltsbilanz vor Augen und nicht das Ziel, die Menschheit voran zu bringen.

Wir haben auch ausländische Studierende gefragt, was sie von den geplanten Studiengebühren halten. Was meint ihr zum Plan der baden-württembergischen Landesregierung?
Unsere cantalumne
Das ist ein Artikel unserer cantalumne, die ihr ab jetzt immer mittwochs auf cantaloup.fm findet. Unsere Autoren kommentieren darin aktuelle Themen aus Hochschulpolitik und Unileben.
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Über

Daniel Anhorn-Weckesser

...studiert Sportmanagement am IfS in Tübingen. Neben der Tätigkeit bei Cantaloup, ist er als Fußballtrainer im Jugendbereich tätig.

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