100 Jahre Tropeninstitut Tübingen: “Forschung vor Ort stärken”

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Vor 100 Jahren als Provisorium gegründet, heute Speerspitze der Forschung: Das Tübinger Tropeninstitut gehört zu den wichtigsten weltweit.

Die Anfänge der Klinik

Der Eingang zur Tropenklinik. Foto: cantaloup.fm

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Der Dschungel: Fremd und geheimnisvoll, Heimat zahlloser Tier – und Pflanzenarten. Und besonderer Krankheiten. Auf deren Behandlung hat sich das Tübinger Tropeninstitut spezialisiert. 2017 feiert es sein hundertjähriges Jubiläum. 1917 wurde die erste außerplanmäßige Professur für Tropenmedizin an der Uni Tübingen eingerichtet. Der erfahrene Tropenmediziner Gottlieb Olpp wurde der erste Professor für Tropenmedizin. Die evangelische missionsärztliche Tropenklinik in Tübingen hatte schon zuvor Ärzte und anderes Gesundheitspersonal zusammen mit der Uni ausgebildet. Sie sollten Krankheiten in den Tropen bekämpfen und durch ihre Arbeit die Menschen dort zum christlichen Glauben bekehren. Auch die Behandlung von Fachkräften, die während ihres Missionsaufenthaltes erkrankt waren, gehörte zum Aufgabengebiet. Allerdings war diese Klinik noch nicht Teil der Universität.

Prof. Dr. Peter Kremnser, der heutige Direktor des Instituts für Tropenmedizin über die Anfänge der Klinik:

„Es war angedacht, dass in dem, was heute Difäm (Deutsches Institut für Ärztliche Mission) ist, eine Ausbildungsstätte gegründet werden sollte, wo Gesundheitspersonal und Ärzte gemeinsam mit der Universität ausgebildet werden und den Tropenkrankheiten prophylaktisch entgegenwirken sollten. Sowohl vor Ort in den Tropen als auch in Tübingen, wenn Reisende oder Gesundheitspersonal krank zurückkamen.“

 Vorsorge und Forschung

Foto. cantaloup.fm

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Die Tropenabteilung blieb zunächst ein Provisorium. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde das heutige Institut für Tropenmedizin gegründet. Seitdem ist es Teil des Tübinger Uniklinikums. Die Ausbildung der Studierenden hat erst mit der Institutsgründung richtig begonnen. Heute werden in Tübingen jedes Semester 25 Lehrveranstaltungen zum Thema Tropenmedizin abgehalten. Die häufigste Erkrankung, wegen der Tropenrückkehrer in der Klinik behandelt werden, ist Durchfall. Auch Patienten mit Krankheiten wie Malaria oder Denguefieber behandeln die Ärzte in der Tropenklink. Mittlerweile liegt der Fokus aber auf der Vorsorge. An der Tropenklinik Tübingen werden pro Jahr bis zu 7.000 Reiseberatungen und Vorsorge-Impfungen durchgeführt. Dank der Vorsorge-Behandlungen sind nur noch wenige Tropen-Rückkehrer erkrankt. Deshalb stehen heute Forschung und Lehre im Vordergrund. Tübinger Forscher waren beispielsweise maßgeblich an der Entwicklung einer neuen Malaria-Schutzimpfung beteiligt, erklärt

Professor Kremsner:

„Wir haben einiges erzielt. Allem voran die erste Malaria-Impfung und damit die erste antiparasitäre Impfung überhaupt, die für Menschen entwickelt wurde: RTS,S. Dort waren wir Teil des Leitungsgremiums. Die wird nun durch die WHO (Gesundheitsorganisation der UN) geprüft und in Form von Implementierungsstudien in Afrika eingesetzt. Wir sind dabei, eine weitere – hoffentlich bessere – Malaria-Impfung zu entwickeln, mit lebendigen Malaria-Parasiten, die wir gemeinsam mit Malaria-Mittel geben, das schaut sehr gut aus, dass wir hier zum Ziel kommen und eine sehr effektive Impfung entwickeln können, die auch gut verträglich ist. Wir waren bei praktisch allen Malaria-Neuentwicklungen weltweit hier in Tübingen als führende Einrichtung dabei.“

Hilfe vor Ort

Tübingen kooperiert mit Forschungseinrichtungen im Kongo, im westafrikanischen Benin und in Vietnam. Dort wird vor Ort an der Heilung von Krankheiten wie Malaria oder Tuberkulose geforscht. Wichtigster Partner ist das Albert-Schweitzer Hospital in Lambaréné, im westafrikanischen Gabun. Hier wird anlässlich des Jubiläums eine Schule für Gesundheitswesen und Infektionskrankheiten gegründet.  Professor Kremsner erhofft sich viel von der Ausbildung vor Ort:

Professor Kremsner:

„Mit dieser Schule wollen wir bezwecken, dass die Ausbildung von Studierenden und Gesundheitspersonal in Afrika – vor allem in Gabun – gefördert wird. Mithilfe der europäischen Einrichtungen, vor allem der Universität Tübingen, wollen wir die Forschung auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten vor Ort stärken.“

Sound vom Intro: https://www.freesoundeffects.com/free-sounds/jungle-10009/

  • Foto: Uniklinikum Tübingen

    Foto: Uniklinikum Tübingen

    Prof. Dr. Peter Kremsner war in Brasilien und in den USA tätig und ist ein international anerkannter Experte für Ebola und Malaria. Seit über 20 Jahren ist er der Direktor des Tübinger Tropeninstitutes.

Das Studium Generale würdigt das Jubiläum mit einer Vorlesungsreihe zum Thema Tropenmedizin. Die nächste Vorlesung findet am 19. Juni um 18 Uhr im Kupferbau statt.
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Über

Kai Hartmann

studiert Geschichte weil es auch in der Zukunft eine Vergangenheit gibt. Er ist seit Februar 2016 bei cantaloup.fm.

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