Europa: Wir müssen laut werden!

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Unsere Bequemlichkeit gefährdet die EU. Dabei gibt es selbst im kleinen Tübingen etliche Angebote, sich für Europa stark zu machen. Ein Kommentar.

Wer in Tübingen anreist und den Hauptbahnhof vorne verlässt, steht auf dem Europaplatz. Europa ist wichtig für uns. Nehmen wir den Umweltschutz, der so vielen Tübingern eine Herzensangelegenheit ist: Das ist ein Politikfeld, das am Ende nur überstaatlich durch die EU behandelt werden kann. Die EU sorgt auch für offene Grenzen zum Reisen, Studieren und Arbeiten.

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Pulse of Europe in Tübingen. Foto: Oliver Schaub

Das Erasmus-Programm wird dieses Jahr 30. Die Uni Tübingen hat Dutzende Partnerhochschulen innerhalb der EU. Baden-Württemberg ist für europäische Studierende das beliebteste Ziel in Deutschland. Gleichzeitig nutzen jedes Jahr Tausende aus Baden-Württemberg selbst das Programm, auch Lehrende. Ich selbst war dadurch ein Semester lang in Belgien. Es war großartig, und ich habe jetzt Freunde in unterschiedlichsten Ländern. Die EU ist reformbedürftig, aber sie ist vor allem schützenswert.

Wir sind verwöhnt

Dass die EU Schutz braucht, hat der BREXIT gezeigt. Danach war die Angst groß, dass die Nationalisten das Steuer in Europa übernehmen. Nun haben Le Pen, Wilders und Hofer verloren. Aber ihre Wähler sind noch da.

Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass alles, was wir kennen, zurzeit in Frage gestellt wird. Während wir Studenten eine neue Netflix-Serie anschauen, schreiben sich andere in den sozialen Netzwerken die Finger wund, dass die EU enden muss. Unsere Generation sollte das nicht wollen. Wir leben europäisch. Wir kennen keinen Krieg. Wir sind so verwöhnt, dass wir nicht einmal aufstehen, wenn es brenzlig wird.

Jetzt erst recht

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Pulse of Europe in Tübingen. Foto: Oliver Schaub

Den BREXIT haben die Alten verursacht, und die britische Jugend ist wütend. Aber war sie aktiv genug? Populisten spielen mit der Angst der Bürger, dass ihre Kinder es bald schlecht haben könnten. Diese Kinder sind wir! Und wir müssen zeigen, dass die EU gut für uns ist. Wir müssen laut werden. Es reicht nicht, nur zu reagieren, wenn die Katastrophe droht, wie in Frankreich letzte Woche. Jetzt erst recht gilt es doch, ein Zeichen für die EU zu setzen.

Die pro-europäische Bewegung „Pulse of Europe“ trifft sich jetzt nur noch monatlich. In Tübingen waren bisher jede Woche Hunderte auf dem Holzmarkt versammelt.

Ich bin selber gerne dabei. Dass der Puls nach Le Pens Niederlage heruntergeht, ist verständlich. Auch organisatorisch kann ich es nachvollziehen. Im Sinne der Veranstaltung finde ich es aber bedauerlich, weil ein Puls beleben soll, und viele jetzt vielleicht entwarnt zuhause bleiben. Die Demonstration zeigt immerhin auf positive und friedliche Weise, dass wir in Europa zusammenstehen. Diesen Gedanken sollten wir alle weitertragen, nicht nur einmal im Monat, nicht nur unter Gleichgesinnten. Denn wenn der Puls zu langsam wird, dann endet das im Herzstillstand.

Europa in Tübingen

Tübingen ist international, ein guter Standort der Politikwissenschaft und voll von aktiven Studenten. Perfekte Voraussetzungen, sich für Europa auszusprechen. Hier findet ihr Anlaufstellen und Intitiativen:

Wappnet euch
Mit dem Wissen, wie die EU eigentlich funktioniert und was ihre Herausforderungen und Erfolge sind, kann man Kritikern am besten begegnen. Jedes Semester gibt es dazu etliche Vorträge von internationalen Dozenten. Zum Beispiel vom Institut für Politikwissenschaft.
Diesen Sommer veranstaltet die überparteiliche und unabhängige NGO Europa-Union Tübingen zusammen mit diversen Instituten eine Veranstaltungsreihe namens „Chance EUropa – mitdenken, mitreden, mitgestalten“.
Grundliteratur zur EU ist übrigens für alle im Online-Katalog der Uni-Bibliothek verfügbar.
Vernetzt euch
Die Jungen EuropäerInnen (JEF) sind die Jugendorganisation der Europa-Union. Die JEFs in Tübingen diskutieren europäische Themen, machen zusammen Ausflüge und kontaktieren europäische Organisationen.
Tübinger Kommilitonen aus der Politikwissenschaft bilden die „Lauten Europäer“. Die bieten Informations- und Meinungsbeiträge auf Facebook und Twitter. Noch lauter werden sie durch Likes und Retweets.
IMG_3480Der nächste „Pulse of Europe“ in Tübingen findet am 4. Juni auf dem Tübinger Holzmarkt stat. Nach den Gastrednern hat jeder die Möglichkeit, das Mikro zu ergreifen. Die Organisation war ein wöchentlicher Kraftakt, von Spenden finanziert. Jetzt, wo die Veranstaltung nur monatlich ist, gilt es umso mehr, Präsenz zu zeigen.
Europa lebt auch vom Austausch der Kulturen. Andere Europäer lernt ihr zum Beispiel über StudIT kennen, die Studierendeninitiative Internationales Tübingen. Auch die United Nations Hochschulgruppe ist Teil von einigen internationalen Events.

Fallen euch noch mehr Möglichkeiten ein? Oder seid ihr ganz anderer Meinung? Diskutiert gerne hier oder bei uns auf Facebook!

In unserer cantalumne spießen unsere Autoren immer mittwochs ein aktuelles Thema aus Hochschulpolitik oder Unileben auf. Es geht um das, was Tübingen bewegt – und was unsere cantalumnisten davon halten. Ihr habt eine andere Meinung? Schreibt sie uns!

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Über

Oliver Schaub

... studiert Allgemeine Rhetorik und Politikwissenschaft. Namensgeber von cantaloup.fm mit hoher Stirn und tiefer Stimme. Seit Oktober 2014 beim Uniradio; von Mai bis Dezember 2016 studentische Hilfskraft mit Schwerpunkt "Text".

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