Unter Strom: Wie die Uniklinik Schmerzen abschaltet

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Nicht alle Knieschmerzen lassen sich behandeln. Die Neurochirurgische Abteilung der Uniklinik Tübingen erforscht eine neue Behandlungsform gegen starke Nervenschmerzen – elektrische Impulse.

Viele Menschen leiden unter Knieschmerzen. Im Alltag beeinträchtigen sie bei einfachen Tätigkeiten, wie Putzen oder Treppensteigen. Häufig hat das mit den Nerven zu tun. Die Ursache für diese sogenannten Neuropathischen Schmerzen sind dauerhaft geschädigte Nerven. Genauer erklärt das Professor Morgalla, Leitung in der Abteilung für Neurochirurgie am Tübinger Uniklinikum.

„Neuropathische Schmerzen sind Schmerzen, die dadurch zustande kommen, dass Nerven oder neurale Strukturen verletzt werden, zum Beispiel im Rahmen eines Unfalls oder einer Operation. Dann senden diese Nerven ständig sogenannte falsche Impulse, die dann als Schmerz weitergeleitet werden und das Rückenmark mit einer Reihe von Schmerzen überfluten. Und das Rückenmark kann das nicht leisten. Das ist also nicht so, dass man hoffen kann, der Schmerz wird wieder weggehen, sondern im Gegenteil, diese Schmerzen werden stärker.“

Wie verläuft die Behandlung?

Gegen die Schmerzen durch falsche Nervenimpulse, helfen elektrische Impulse,                                          erklärt Morgalla.

Für die Behandlungen führen die Ärzte am Uniklinikum zwei Operationen durch. Zuerst findet eine sogenannte Test-Stimulation statt. Die ist notwendig, um herauszubekommen, ob ein Patient für die Behandlung überhaupt geeignet ist. Dabei setzt der zuständige Arzt eine Sonde in den Rückenmarkskanal ein. Dann folgt die elektrische Stimulation. Die empfinden Patienten als ein angenehmes, warmes Kribbeln. Verläuft dieser Test wie erwartet, befestigt der Arzt die Sonde und schließt sie an ein Verlängerungskabel an. Es ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, wenn dann an der Bauchseite ein kleines Kabel heraushängt. Das ist allerdings notwendig, um daran ein Stimulationsgerät anzuschließen, erklärt Morgalla.

„Dann geht der Patient einen Tag später nach Hause damit und kann das in Ruhe erst mal austesten, ob ihm das überhaupt was nützt, in verschiedenen Situationen: Im Haushalt oder dass man wieder mal Fahrrad fährt oder Sachen macht, die man vorher nie machen konnte, zum Beispiel mal wieder länger stehen und das wird von vielen Patienten als sehr angenehm und hilfreich empfunden. Dann kommen die eine Woche später wieder zu uns und erklären und berichten uns wie es gegangen ist.”

Wenn der erste Teil der Behandlung erfolgreich verlaufen ist, bleibt nicht mehr viel zu tun, um ein Leben mit weniger Schmerzen zu ermöglichen.

„Der nächste Schritt wäre dann, einen Generator einzubauen. Da kann der Patient meistens, entweder am gleichen Tag oder am nächsten, wieder nach Hause gehen.”

Für wen kommt die Behandlung infrage?

Für wen sich die Behandlung eignet, kann nur ein Arzt persönlich entscheiden. Sicher ist, dass sie eher in Frage kommt, wenn nichts Anderes zuvor geholfen hat. Dann hat sie aber eine 60- bis 80-prozentige Erfolgsquote. Therapiemethoden mit elektrischen Impulsen gibt es schon seit 2011 in Tübingen. Knieschmerzen mit Strom abzuschalten, ist zwar neu am Uniklinikum, die Ärzte haben aber trotzdem genug Erfahrung.

  • Foto: Professor Morgalla

    Oberarzt und Leiter der Neurochirurgischen Poliklinik und des Bereiches Neurochirurgische Schmerztherapie am Uniklinikum Tübingen.

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Über

...studiert Germanistik und Computerlinguistik. Bei cantaloup.fm ist sie freie Mitarbeiterin seit Februar 2017 und unterstützt das Orga-Team mit Rat und Tat.

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