Datenschutz – So surft ihr sicherer

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Auf viele Vorteile im Netz wollen wir nicht mehr verzichten. Aber wie schützen wir unsere Daten besser, die wir bei gewöhnlicher Nutzung preisgeben?

Das Internet ist eine wunderbare Sache. Schnell mal Infos für das Referat suchen, shoppen, bei cantaloup.fm vorbeischauen oder mit den Kommilitonen auf WhatsApp schreiben. Auf solche Vorteile will kaum jemand mehr verzichten. Aber sind all die Daten, die ich im Netz von mir preisgebe auch vor unbefugtem Zugriff sicher? Dass Firmen wie Google und Facebook unsere Daten sammeln und verkaufen, ist bekannt. Seit den Enthüllungen Edward Snowdens ist aber klar: Wir werden im Netz auf Schritt und Klick von Geheimdiensten überwacht. Viele sehen darin keinen Grund zur Sorge. Sollte man aber, sagt Johannes Rundfeldt, Referent für Datenschutz bei der Tübinger Menschenrechtswoche:

„Ich brauche keinen Datenschutz weil ich nichts zu verbergen habe, ist genauso falsch, wie zu sagen, ich brauche keine Redefreiheit weil ich nichts zu sagen habe. Deshalb ist es überlebenswichtig für uns alle unsere Grundrechte zu erhalten.“

Dann solltet ihr eure Daten verschlüsseln

Um die Anonymität im Internet zu wahren, sollte man also seine Daten verschlüsseln. Der normale Datenverkehr im Netz ist unverschlüsselt. In der Praxis heißt das: Beim Surfen kann zurückverfolgt werden, welche Seiten ich aufgerufen habe. Auch meine E-Mails können mitgelesen werden. Und zwar vom Netzbetreiber, von Kriminellen und Geheimdiensten. Verschlüsselte Daten hingegen werden vom Absender so kodiert, dass nur der Empfänger diese Daten entschlüsseln und lesen kann. Selbst wenn die Daten von Dritten vollständig abgefangen werden, können sie nicht gelesen werden. Das heißt, es werden keine Aufzeichnungen über mein Surf-Verhalten angelegt. Damit vermeidet man unerwünschte Mitleser von persönlichen Nachrichten. Wann und wofür sollte man Verschlüsselung nutzen?

Johannes Rundfeldt:
„Immer und für alles. Ob nun die Messenger-Nachrichten mit den Freunden, die E-Mail an den Arbeitgeber oder das einfache browsen im Internet. Man möchte ja anonym sein, das Gefühl haben, nicht kontrolliert zu werden und die Sicherheit, zu sagen was man möchte”.

Dank moderner Software muss man kein Informatiker sein, um Verschlüsselung zu nutzten. Eine einfache und kostenlose Möglichkeit, um anonym im Internet zu surfen ist laut Rundfeld das Tor-Netzwerk.

Wenn man über Tor surft, werden die eigenen Daten auf einem völlig zufälligen Weg durch das Tor-Netzwerk umgeleitet. Dessen Server stehen auf der ganzen Welt. Wenn ich also in Tübingen cantaloup.fm aufrufe, wird meine Anfrage über verschiedene Server umgeleitet. Für die Website sieht es dann so aus, als käme meine Anfrage beispielsweise aus Rumänien oder Südafrika. Eine sichere Alternative zum Surfen. Tor bietet einen eigenen Browser an, mit dem man den Dienst nutzten kann. Da der Tor-Browser auf Firefox basiert, fällt die Umstellung leicht. Mit anonymem Surfen tut man nicht nur sich selbst einen Gefallen, erklärt Johannes Rundfeldt. Vor allem, wenn man nicht nur wichtige Daten verschlüsselt:

“Es ist wichtig auch unwichtige Daten zu verschlüsseln, weil man damit den Datenverkehr von Aktivisten, Berufsgeheimnisträgern und Menschenrechtsaktivisten schützt. Wenn nur Berufsgeheimnisträger und Menschenrechtsaktivisten ihre Daten verschlüsseln, dann fällt es den Geheimdiensten leicht herauszufinden, welche Daten brisant sind. Aber wenn alle verschlüsseln, gehen diese Daten in der Masse unter.“

Und beim Smartphone?

Bei Messenger-Diensten für Android und iOS liegt WhatsApp klar vorne. Mit einem Marktanteil von etwa 2/3 hat der Dienst keine ernsthafte Konkurrenz. Beim Thema Datenschutz schwächelt der Platzhirsch. Alle auf dem Telefon gespeicherten Nummern werden ungefragt auf die WhatsApp-Server übertragen. Sie werden von der Muttergesellschaft Facebook zu Werbezwecken genutzt. Die eigentlichen Nachrichten hingegen sind verschlüsselt. WhatsApp kann deren Inhalt nicht auslesen. Doch Vorsicht: Wenn in einem Gruppenchat eine Person nicht die neueste Version der App installiert hat, greift die Verschlüsselung nicht. In jedem Fall weiß WhatsApp aber aufgrund der Telefonnummern, wer mit wem schreibt.

Wer das vermeiden will, kann auf eine der zahlreichen sicheren WhatsApp-Alternativen umsteigen. Datenschutzexperte Rundfeld empfiehlt beispielsweise die Apps Wire und Signal. Die sind für Android und iOS verfügbar und bieten sichere, nicht rückverfolgbare Kommunikation. Bei einem Preis von 3 bis 5€ kann sich jeder Smartphone-Besitzer eine solche App leisten. Wer WhatsApp nicht sofort löschen will, kann ja erst einmal zwei Messenger parallel auf dem Handy nutzen. So können nach und nach immer mehr Nutzer auf Datenschutz umsteigen.

  • ijon-edited-smallIjon ist Freiberufler und unter anderem als Datenschutzexperte tätig. Er hält Vorträge und Workshops zum Thema Sicherheit im Netz.
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Über

Kai Hartmann

studiert Geschichte weil es auch in der Zukunft eine Vergangenheit gibt. Er ist seit Februar 2016 bei cantaloup.fm.

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