„Glauben Sie an Weltfrieden, Dr. Nielebock?“

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Manchen Menschen scheint es, wir leben in besonders unsicheren Zeiten. Kann man trotzdem noch an den Weltfrieden glauben? Wir haben einen Friedensforscher gefragt.

Wer nicht fragt, bleibt dumm. Und da wir so viele Menschen vom Fach an der Uni haben, sollten wir erst recht nachhaken. Also machen wir uns auf und fragen scheinbar triviale Dinge. Klingt komisch, ist aber so. Diesmal mit Dr. Thomas Nielebock und der Frage: „Glauben Sie an Weltfrieden?“.

„Ja und nein. Ja insofern, als es ja um einen Glaubenssatz geht. Und von daher es nicht bewiesen werden muss, dass er eintritt. Aber indem man daran glaubt hat man zumindest eine Vision auf die man hinarbeiten kann.

Nein insofern, dass ich nicht absehe, dass irgendwann der Weltfrieden, im Sinne von überall keinem gewaltsamen Konfliktaustrag, jemals eintreten wird. Sondern es wird immer wieder Regionen, Zeiten geben, in denen gewaltsamer Konfliktaustrag stattfindet. Und von daher gibt es leider nur diese sehr merkwürdige Antwort mit ja und nein gleichzeitig.

Die politische Philosophie ist natürlich geprägter davon, nehmen wir Immanuel Kant, dass es so etwas wie einen Weltfrieden gibt, denn der ewige Friede ist ja nichts anderes, als er sich vorstellt. In der Politikwissenschaft haben wir das klein gearbeitet und gesagt: Naja, vielleicht verwirklicht er sich erstmal in kleinen Regionen wie zum Beispiel in Europa ein Stück weit, zumindest im EU-Europa, und es gibt eine Chance, dass er in anderen Regionen auch entsteht, und wir es dann so bezeichnen: „Überall da, wo Frieden ist, das gehört mit zum Weltfrieden“. Aber das ist natürlich nur ein sprachliches Spiel um den Weltfrieden zu retten.“

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    Dr. Thomas Nielebock ist als Lehrer, Forscher und Akademischer Oberrat am Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen in der Abteilung “Internationale
    Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung” tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind europäische Sicherheit und europäische Sicherheitsinstitutionen, Rüstungskontrolle, insbesondere atomwaffenfreie Zonen, Konfliktanalyse, Konfliktmanagement und Mediation, methodische Fragen der Analyse internationaler Politik sowie normative Theorien der Internationalen Beziehungen.

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Über

Stepan Vizi

studiert seit 2014 Friedensforschung und internationale Politik, reist gerne nach unwahrscheinlichen Destionationen und experimentiert mit unterschiedlichsten Medien wie Theater, Film und seit kurzem auch Radio.

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