Quidditch im Wandel der Zeiten

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Wie hat sich die Sportart Quidditch in den letzten Jahren entwickelt? Und was hat sich bei den Tübinger Thestralen getan?

Vor zwei Jahren gab es zum ersten Mal Quidditch in Tübingen. Die Spielerinnen und Spieler wurden damals permanent gefragt: „Wie geht das überhaupt ?“ Heute wissen das viel mehr Leute. Quidditch wird nicht mehr nur als Kuriosität, sondern als ernstzunehmender Sport wahrgenommen.

Anonymer O-Ton-Geber plus zwei Teams:

                        „Team Blue, are you ready? Jubel

                        Team Red, are you ready? Jubel

                        Brooms down!

                        Ready?

                        Brooms Up!

So klingen die ersten Sekunden bei einem Quidditch-Spiel. Ja, richtig gehört: Quidditch. Die Sportart aus Harry Potter gibt es auch für uns Nicht-Zauberer. Ohne fliegende Besen, aber mit genauso viel Spaß und Leidenschaft. Im Jahr 2005 kamen zum ersten Mal Menschen darauf, die Sportart in unsere reale Welt zu übertragen. Seitdem hat sich Quidditch rasant weiterentwickelt. Auch in Tübingen gibt es ein Team, mittlerweile seit über zwei Jahren. Die englische Austauschstudentin Georgie Siriwardena gründete während ihres Erasmusjahrs  die Tübinger Thestrale. Ina Berner war schon im ersten Semester dabei. Heute ist sie eine der Trainerinnen.

Ina Berner:
„Am Anfang hatten wir einmal die Woche Training, das war mehr so einfach zum Spaß und wir waren ungefähr so, keine Ahnung, 15 Leute. Und haben auf einer Wiese hinter dem Freibad trainiert. Mittlerweile sind wir im Unisport eingegliedert und haben deswegen auch ganz andere Möglichkeiten,  uns Material zu beschaffen und trainieren auch öfters, also im Sommer dreimal die Woche und im Winter zweimal die Woche und haben ein ganzes Coachteam. Wir haben einen eigenen Verein gegründet, beziehungsweise sind gerade dabei. Ja, also: Hat sich sehr, sehr viel getan.

Auch leistungsmäßig hat sich viel getan. Bei den Tübinger Thestralen sowie in ganz Qudditch-Deutschland. Bei der ersten deutschen Quidditch-Meisterschaft im Januar 2016 machten nur sechs Teams mit. Die Thestrale verloren damals jedes Spiel. Inzwischen gibt es etwa 40 Quidditch-Teams in Deutschland. Und die Thestrale sind amtierender Baden-Württemberg-Meister. Mit etwa 50 Spielerinnen und Spielern sind die Tübinger zur zweitgrößten deutschen Quidditchmannschaft geworden. Seit 2016 gibt es darin zwei Teams: Die eher leistungsorientierten Tübinger Thestrale als erste Mannschaft. Und die spaßorientierte zweite Mannschaft namens TTT. Das Interesse an Quidditch ist hoch, auch bei erfahrenen Sportlern: Mario Rauh hat jahrelang Handball in der dritten Bundesliga gespielt. Seit etwa einem Jahr spielt er bei den Tübinger Thestralen Quidditch:

Mario Rauh:
Wir haben die Tatsache, dass Quidditch einfach eine Sportart ist, die alles vereint, was ein Sportlerherz begehrt: Mit Schnelligkeit, Werfen, Körperkontakt. Und dann gibt’s natürlich noch neben dem Sport die Community im Quidditch, die natürlich fesselnd ist. Die was ganz Einzigartiges ist. Das kann man nicht beschreiben, da muss man einfach mal dabei gewesen sein. Wie herzlich das alles ist. Das ist was ganz Besonderes.

Auch Ina Berner ist vom  Zusammenhalt in der Quidditch-Community begeistert.

Ina Berner:
“Wenn man irgendwo hin fährt, wo es Quidditch gibt, dann ist es Standard, dass man bei irgendjemandem von den Quidditchspielern unterkommt, ohne dass man irgendwas dafür zahlen muss. Dann organisieren die Events für einen, dann schauen die mit einem die Stadt an. Das ist einfach so, ja, Quidditch-Community, und jeder hilft jedem.

Hilfsbereitschaft, Fairness, Respekt, aber auch besonders Geschlechtergerechtigkeit sind im Quidditch genauso wichtig wie sportliche Leistung. Was den Sport einzigartig macht: Die Gender-Rule schreibt vor, dass maximal vier von sieben Teammitgliedern mit demselben Geschlecht  gleichzeitig für ein Team auf dem Feld stehen.

Quidditch ist in den letzten Jahren professioneller geworden. Aber an den Grundwerten –Toleranz, Fair Play, Geschlechtergerechtigkeit – wurde nicht gerüttelt. Von so viel Sportsgeist können sich andere Sportarten gerne eine Scheibe abschneiden.

Ein Beitrag von Johannes Kolb

Hier könnt ihr noch mehr über die Sportart erfahren.

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Studentisches Ausbildungsmedium für crossmedialen Journalismus an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

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