Sami – Die Ureinwohner Skandinaviens

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Sameblod – Sami: A Tale from the North ist ein Film über Rassismus, kulturelle Identität und den unbändigen Wunsch einer Sami, Lehrerin zu werden. 

Die Sami sind das indigene Volk Nordskandinaviens, so auch die Hauptfigur von Sameblod. Aber auch wer noch nie etwas von den Sami gehört hat, kann sich von dem Film  verzaubern lassen.

Der Wunsch nach Bildung und Akzeptanz

Elle Marja und ihre Familie sind Sami, Ureinwohner Skandinaviens. Als Nomaden ziehen sie, gemeinsam mit ihren Rentierherden, durch das Schweden der 1930er Jahre. Um die Kinder zumindest einer provisorischen Bildung zu unterziehen, werden sie von Herde und Eltern getrennt und müssen eine kleine Schule besuchen, in der nur Sami unterrichtet werden.
Hier wird ihnen schmerzlich bewusst gemacht, dass sie anders sind und eine Minderheit darstellen. Den Kindern wird verboten, ihre eigene Sprache, Sami, zu sprechen und ihre Kultur auszuleben. Elle Marja wehrt sich gegen die Ausgrenzung und ist zugleich fasziniert von der schwedischen Kleidung ihrer Lehrerin, von den Büchern, und nicht zuletzt auch von den schwedischen Jungs. Als ihr aus offenkundig rassistischer Motivation von ihrer Lehrerin die Weiterbildung auf einer höheren Schule verweigert wird, beschließt Elle Marja ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Um ebenfalls Lehrerin werden zu können und akzeptiert zu werden, muss sie jedoch ihre Identität als Sami aufgeben, denn alle Schweden scheinen auf das Volk hinab zu blicken. Als Großmutter nimmt Elle Marja schließlich ebenfalls eine abwertende Haltung gegenüber ihrem Volk ein…

Elle Marja – Eine Sami zwischen den Stühlen

Der Film beschäftigt sich einfühlsam mit dem Mädchen Elle Marja und ihrem Schicksal. Trotz der rassistischen Äußerungen der Schweden, die Sami würden stinken und ihre Gehirne wären zu klein, fühlt sich Elle Marja zu der anderen, fremden Kultur hingezogen. Besonders demütigend ist eine Szene, in der an den Sami rassenbiologische Untersuchungen vollzogen werden. Elle Marja steht zwischen den Stühlen, sie will Teil der Welt Schwedens sein – der Stadt, der Kleidung und der Kultur – obwohl sie als Sami geboren wurde.
Oft zeigt die Kamera in Nahaufnahmen ihr Gesicht und ihre Hände, die die ihr unbekannte Welt untersuchen. Da sie ihre eigene Kultur aufgibt, entfernt sie sich auch immer mehr von ihrer Familie. Den Hass und Rassismus, den sie selbst erlebt, projiziert sie auf ihre Schwester und die anderen Sami, da sie nicht anders damit umzugehen weiß. Sie alleine kann das Denken der Schweden nicht ändern und wird so Teil eines unterdrückenden Systems. Trotzdem ist Elle Marja mehr als nur das: Sie ist auch eine junge Frau, die für ihre Ziele und Wünsche kämpft und bereit ist, dafür bis ans Äußerste zu gehen. Auch wenn sie ihre Identität verleugnet, steht sie als Sami genau für das Gegenteil der rassistischen Äußerungen: Eine mutige, kluge Frau, die voller Widersprüche steckt.

Fazit: Ein einfühlsamer, träumerischer Film. Durch die Augen einer jungen Frau erlebt der Zuschauer seine eigene Kultur auf faszinierende Weise aus einem fremden Blickwinkel.

Vier Melonen

Der Film läuft, im Rahmen des 17. Filmfestivals Frauenwelten, am Samstag, 25.11. um 20:30 Uhr und nochmal am Mittwoch 29.11. um 20:30 Uhr im Kino Museum. Tickets kosten 8,50€ und ermäßigt 7,50€.

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Über

Sarah Mohrat

... studiert seit 2016 in Tübingen. Kultur, Bücher und Religion sind ihre großen Leidenschaften, die sie bei Cantaloup tatkräftig mit einbringt.

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