Die Uni Tübingen für eine nachhaltige Welt

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Seit die Studierendeninitiative ‚Greening the University‘ vor knapp zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, hat sich an der Uni Tübingen in puncto Nachhaltigkeit viel getan.

Unter anderem hat ‚Greening the University‘ das Studium Oecologicum auf die Beine gestellt. Dieses Lehrangebot bietet seit 2009 verschiedene Seminare zum Thema nachhaltige Entwicklung an. Die Studierendeninitiative war auch maßgeblich daran beteiligt, dass die Uni Tübingen seit 2011 für nachhaltiges Umweltmanagement ausgezeichnet ist, und das als erste Hochschule in ganz Baden-Württemberg.

Greening the University‘ gab 2008 im Rahmen eines Symposiums den Anstoß, das Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) an der Uni Tübingen einzuführen. Dadurch sollte die Umweltleistung der Universität verbessert werden. Die Umweltbeauftragte der Uni Tübingen, Hedwig Ogrzewalla, ist für den gesamten Prozess der EMAS-Zertifizierung zuständig. Jedes Jahr muss dafür ein Umweltprogramm erstellt werden, mit ganz bestimmten Zielen und Plänen. Ob sich die Uni auch an den Plan hält, wird jährlich geprüft. Eine Revalidierung findet alle drei Jahre durch einen externen Gutachter statt. Im November war es wieder soweit, die Uni Tübingen hat es geschafft und bleibt für die nächsten drei Jahre EMAS-zertifiziert. Was unter anderem dafür nötig war, erklärt Hedwig Ogrzewalla:

” Zum Beispiel im Bereich Energie, dass man in den letzten drei Jahren dabei war, alle Heizungen zu automatisieren und eine Nacht- und Wochenendabsenkung einzubauen, um dann sagen zu können: Innerhalb dieser drei Jahre möchte ich meinen Energieverbrauch um fünf Prozent zum Beispiel als quantitatives Ziel reduzieren. Dann führe ich diese Maßnahmen durch und dann kann ich am Ende dieser drei Jahre sehen, habe ich mein Ziel erreicht oder nicht.” 

  • EMASEMAS heißt abgekürzt ‚Eco-Management and Audit Scheme‘. Es ist ein standardisiertes System der Europäischen Union für nachhaltiges Umweltmanagement. Dadurch soll die Umweltleistung von Organisationen kontinuierlich verbessert werden. Zu Beginn wird ein Plan mit den selbst gesteckten Umweltzielen erstellt. Jährlich berichten die Organisationen dann in einer Umwelterklärung von den Fortschritten ihres Vorhabens. Nach drei Jahren findet eine Revalidierung statt. Wurden alle Ziele verfolgt und der Plan eingehalten, ist die Revalidierung erfolgreich verlaufen. Die Organisation bleibt somit EMAS-zertifiziert und darf das EMAS-Logo weitere drei Jahre führen. Anschließend wiederholt sich der Prozess.

Außerdem ist die Uni Tübingen auf erneuerbare Energien umgestiegen. Seit März 2016 bezieht sie ausschließlich Ökostrom, was aus Wasserkraft gewonnen wird.

“Die Universität Tübingen bekennt sich zur Maxime einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Entwicklung. Ihr Handeln orientiert sich an der Aufgabe, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu erhalten und auf dieser Basis ökonomische und sozial-kulturelle Ziele in Einklang zu bringen.”

[Zitat aus der Präambel der Umweltleitlinien der Universität Tübingen]

In der ersten Phase bis zur Revalidierung 2014 stand die Umstellung auf Recyclingpapier an. Danach ging es darum, den Papierverbrauch zu reduzieren. Zum Beispiel hat die Universität Drucker abgeschafft, die neben den Schreibtischen der Mitarbeiter stehen. Die Versuchung sei dadurch kleiner, alles auszudrucken. Außerdem haben die Kopiergeräte, die es seit 2013 an der Uni gibt, eine Scanfunktion. Innerhalb von 5 Jahren sank so der Papierverbrauch der Uni Tübingen um 30 Prozent.

Das allein reicht aber nicht, um zertifiziert zu bleiben. Für jede weitere Revalidierung muss sich die Uni in ihren Umweltzielen übertreffen. Laut Ogrzewalla müssen dafür andere Probleme erkannt und gelöst werden:

„Ein großes Thema ist Abfall bei uns und zwar die Einführung vom Mehrwegbecher als Alternative zum Einwegbecher, weil die Restmüllmengen innerhalb von drei Jahren um über 400% gestiegen sind, was hauptsächlich mit den Einwegverpackungen – und da speziell Einwegbecher – zusammenhängt.“

Unter anderem beschäftigt sich seit 2016 die Studierendeninitiative ‚tü-go‘ mit diesem Problem: Die Kampagne ‚besser bechern konnte 23 Einzelhändler in Tübingen dafür gewinnen, ihren Kaffee 20 Cent günstiger zu verkaufen, wenn Kunden Mehrwegbecher nutzen.

Auch das Studium Oecologicum bietet zu diesem Thema ein Seminar an. Carla Herth ist unter anderem für die Organisation der Lehrveranstaltungen im Studium Oecologicum zuständig:

By Jon Opprecht https://jonopprecht.com/ [CC0], via Wikimedia Commons

 „Jetzt für das Sommersemester zum Beispiel ist ein Kurs geplant mit Studierenden, die zur Pappbecherthematik künstlerisch arbeiten. Also zuerst wissenschaftliche Untersuchungen machen, zum Beispiel Beobachtungen machen, wie weit tragen die Leute ihren Pappbecher tatsächlich weg von den Cafeterien hier in Tübingen. Weil es ist auch ein Thema, an dem das Studierendenwerk und die Abfallbeauftragte der Uni Tübingen nah dran sind, mit dem wir auch gemeinsam diesen Kurs durchführen möchten.“

Ziel des Studium Oecologicum ist an erster Stelle, Studierende aus den unterschiedlichsten Studiengängen mit dem Thema nachhaltige Entwicklung in Berührung zu bringen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass zu Nachhaltigkeit mehr als Umweltschutz gehört.

Was ist nachhaltige Entwicklung?
“Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält.”  [Zitat aus dem Bericht der Brundtland-Kommission, 1987]

„Es geht im Kern bei der nachhaltigen Entwicklung um das Gerechtigkeitsprinzip, also um Gerechtigkeit zwischen den heute lebenden Generationen und auch zwischen den heute und den zukünftig lebenden Generationen, dass die zukünftigen Generationen eben genau so die Möglichkeit haben, zu entscheiden, was für sie ein gutes Leben ist.“

Carla Herth betont außerdem, dass Nachhaltigkeit immer einen Prozess darstellt, und nicht von heute auf morgen erfolgen kann. Ganz so schnell und beiläufig können wir die Welt also nicht retten; es ist mit viel Arbeit und Geduld verbunden. Auch die Uni Tübingen hat noch einiges vor sich, so Hedwig Ogrzewalla:

 „Ich denk‘, die Uni kann sich auf jeden Fall noch verbessern im Bereich Energie, weil man zum Beispiel noch keine grundsätzliche Analyse der Gebäude durchgeführt hat, was da energetisch machbar ist. Da sind bestimmt 20 bis 30% Einsparungen möglich, ohne dass man baulich etwas verändert. Zum Beispiel bei der Haustechnik, dass man die ganzen Beleuchtungen umstellt auf LED, dass man Entlüftungsanlagen optimiert, dass man diese Wochenend- und Nachtabsenkung optimiert, dass sie weniger Energie verbraucht.“

  • Hedwig Ogrzewalla hat Agrarwissenschaft an der Hochschule in Nürtingen studiert. Sie war unter anderem an der Einführung der Biotonne im Landkreis Tübingen beteiligt. Seit 2008 arbeitet Hedwig Ogrzewalla an der Uni Tübigen als Umweltkoordinatorin und ist seitdem für die EMAS-Zertifizierung der Universität zuständig.
  • Foto: privat

    Foto: privat

    Carla Herth hat an der Uni Tübingen Geoökologie studiert. Bereits während ihres Studiums engagierte sie sich für nachhaltige Entwicklung, unter anderem bei der Studierendeninitiative ‘Greening the University’. Carla Herth koordiniert heute das Studium Oecologicum und arbeitet im Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung.

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… studiert seit 2013 an der Uni Tübingen. Highlight ihres bisherigen Studiums war ihr Auslandsaufenthalt in Russland. Bei cantaloup.fm macht sie seit Anfang 2017 mit.

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