Football ist nicht nur Männersache

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Beim Football kann es ordentlich zur Sache gehen. Davon lassen sich die Tübinger Red Knights Ladies jedoch nicht abschrecken.

Obwohl Football in Deutschland populärer wird, ist die Sportart immer noch fremd für Viele. Im Film sehen wir oft nur, wie der Quarterback mit dem Ball über das Feld läuft und einen Touchdown erzielt. Jedoch ist das längst nicht alles, was die Sportart zu bieten hat. Denn Football ist auch ein Sport der Möglichkeiten. In Tübingen überwindet er eins der gängigsten Klischees: Die Männer spielen, die Frauen feuern an.
Hier gibt es nämlich eine der wenigen Frauenfootball-Mannschaften in Deutschland, die Red Knights Ladies. Die Spielerinnen kennen sich mit den Vorurteilen zur Sportart aus.

Teamplay gehört beim Football dazu /Red Knights Tübingen

Teamplay gehört beim Football dazu /Red Knights Tübingen

Wer Football spielt, hat eine männliche Statur. Denn in der Sportart werden Attribute wie Körperkraft, Aggressivität und Schnelligkeit gefordert. Lea Wißler freut sich, wenn sie aufgrund ihres zierlichen Körperbaus diesem Stereotyp offenkundig widersprechen kann:

Lea Wißler: „Also das ist so ziemlich jedes Mal, wenn ich das irgendjemanden erzähle, dass ich Football spiele. Weil ich jetzt auch nicht gerade unbedingt die typische Statur habe, was sich die meisten darunter vorstellen. Weil alle immer ja davon ausgehen, dass man eher breiter gebaut sein muss, also jedes Mal, wenn es irgendwie zu Sprache kommt, dass ich Football spiele ist die erste Reaktion natürlich „Wie, mit deiner Statur?“ „Krass“, und solche Sprüche kommen immer wieder. Aber ich finde es eigentlich, ganz ehrlich, immer witzig, gerade die Reaktion der Leute.“

Wer schon einmal das Finale der NFL, den Superbowl, gesehen hat, weiß vermutlich, dass verschiedene Körperstaturen notwendig sind, um die unterschiedlichen Positionen ideal zu besetzen. Auch sind die Spielregeln nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Die Amerikanerin Michelle Gottschalk ist eine erfahrene Spielerin und Mitglied der Red Knights Ladies. Sie kennt die schwierigsten Regeln:

Die Red Knights Ladies bei einer Promoaktion in Tübingen / Red Knights Tübingen

Die Red Knights Ladies bei einer Promoaktion in Tübingen / Red Knights Tübingen

Michelle Gottschalk: „I would go with when you’re on defense, or even on offense, and you have to defend against another person. Just understanding the rules of when you can make contact with that person to either stop a throw   or a run that becomes more difficult on your hand placement.“

(Ich würde sagen, wenn man in der Defense spielt, oder auch in der Offense, und man sich gegen eine andere Person verteidigen muss. Allein die Regel zu verstehen, wann man mit der anderen Person Körperkontakt haben darf, um einen Pass oder einen Lauf zu verhindern, macht es schwieriger, die Hände am Gegner anzubringen.)

Football ist ein taktisch anspruchsvoller Sport, bei dem schlaue Entscheidungen zum Sieg führen können. Das Zusammenspiel von physischen und mentalen Fähigkeiten reizt auch die Spielerinnen Sarah Kälberer und Lea Wißler. Sie haben ihren Weg in die Mannschaft der Red Knights Ladies über ihre Brüder gefunden:

Lea Wißler: „Also mein Bruder hat sich eigentlich vor zwei Jahren sehr dafür begeistert, hat dann auch immer Superbowl geguckt. Und ich saß halt immer daneben, fands auch recht interessant, auch einfach die Art des Sports, das ist nicht so das Klassische ist, sondern dass man halt wirklich auch Kontakt hat. Er hat dann vor zwei Jahren auch hier angefangen bei den Red Knights, bei der Jugend. Dadurch wurde dann auch meine Begeisterung geweckt nur war es leider so, dass es halt nie eine Frauenmannschaft in meiner Nähe gab. Und dann letztes Jahr hat einer der männlichen Mitspieler angefangen, ein Team aufzubauen. Das habe ich dann über Facebook mitbekommen und darüber bin ich dann auch dazu gekommen.“

Football in Tübingen – Die Red Knights Ladies

Die Ladies trainieren bei jedem Wetter draußen / Red Knights Tübingen

Die Ladies trainieren bei jedem Wetter draußen / Red Knights Tübingen

Die Tübinger Red Knights Ladies bestehen aus einer Mischung aus Anfängern und erfahrenen Spielerinnen, die bereits in anderen Vereinen trainiert haben.  Insgesamt gibt es in Deutschland ca. 35 Frauenfootball-Mannschaften. Zum Vergleich, bei den Männern sind es knapp 200.  Auch weibliche Coaches gibt es nicht besonders viele. Deswegen sind die Coaches der Red Knights alle männlich, was jedoch, nach Quarterback Jasmin Gross, das Trainingsklima nicht beeinträchtigt:

Jasmin Gross: „Ich denke, im Frauenfootball ist es eh schwierig, Coaches zu finden. Deshalb ist man froh, wenn man welche hat und es sind eben überwiegend Männer.“

Mit der Männermannschaft, den Red Knights, verstehen sich die Ladies gut. Während der Saison unterstützen die Mannschaften sich gegenseitig:

Jasmin Gross: „Man feuert sich definitiv gegenseitig an. Die Männer sind zum Beispiel bei unseren Spielen, machen dort auch die Chain Crew (Anm. d. Red: Das sind Schiedsrichterassistenten). Und wir sind auch immer mit einigen Spielerinnen bei den Männerspielen.“

Die Mannschaft beim Tackle-Training / Red Knights Tübingen

Die Mannschaft beim Tackle-Training / Red Knights Tübingen

Football ist keine harmlose Sportart. Bereitet man sich nicht richtig vor und ist unerfahren, dann besteht ein hohes Verletzungsrisiko. Die erfahrene amerikanische Spielerin Michelle Gottschalk weiß, was man tun kann, um dieses möglichst gering zu halten:

Michelle Gottschalk: „A strength training would be one option. The sport is not so forgiving. So it’s not only the contact that you have to protect yourself against but it’s also just the conditions in the field. Playing on AstroTurf (Anm. d.Red: AstroTurf ist eine Kunstrasenmarke) is very difficult just because of the lateral movements and the starting and stopping. So you’re just making sure that you have like tougher quads and you’re stretching adequately enough.“

(Krafttraining wäre eine Option. Der Sport vergibt einem nichts. Es ist nicht nur der Körperkontakt, vor dem man sich selbst schützen muss, sondern auch die Bedingungen auf dem Feld. Auf Kunstrasen zu spielen ist sehr schwer, schon allein wegen der seitlichen Bewegungen, dem Starten und Anhalten. Also sollte man sicherstellen, dass man eine starke Oberschenkelmuskulatur hat und sich ausreichend dehnt.)

In der letzten Saison hatte die Mannschaft mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Sie mussten die Saison abbrechen, da sie zu viele Verletzte und somit zu wenig Spielerinnen hatten. Doch sie haben aus ihren Fehlern gelernt und Quarterback Jasmin Gross blickt der nächsten Saison zuversichtlich entgegen.

Jasmin Gross: „Mehr trainieren, uns besser drauf vorbereiten, mehr Kontakt einfach.“

Da bleibt einem nur noch eins zu sagen: Go Red Knights (Ladies)!

Die Frauenmannschaft trainiert immer montags und mittwochs von 19:00 bis 21:30 Uhr auf dem Sportgelände des SSC in Tübingen.

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Über

Sarah Mohrat

... studiert seit 2016 in Tübingen. Kultur, Bücher und Religion sind ihre großen Leidenschaften, die sie bei Cantaloup tatkräftig mit einbringt.

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