BAföG: Der Amtsumzug ist ein übles Signal

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Dass das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim das BAföG-Amt auslagert, fällt vor allem zulasten der hilfsbedürftigen Studierenden. Ein Kommentar.

Als wäre es nicht ohnehin zeitraubend, BAföG zu beantragen. Als bräuchte man dafür nicht so schon Nerven wie Drahtseile. Gut, dass es die persönlichen Gespräche mit den Mitarbeiter*innen des Amts gibt. Denn das ganze Verfahren kann ein einziges höllisches Chaos sein. Es erfordert Beratung und Erreichbarkeit im Amt. Schlecht, wenn sich die Zuständigen in einer anderen Stadt befinden.

Ein fatales Ergebnis

Weil keine Räumlichkeiten in Tübingen gefunden werden konnten, sollen ab Juni tausende Studierende rausfahren. Das ist ein weiterer, ärgerlicher Höhepunkt in der Tübinger Immobilienkrise. Entweder war das Angebot der Stadt nicht angemessen, oder das Studierendenwerk zu wählerisch. Wem man auch glaubt, fest steht: Ausbaden müssen das peinliche Ergebnis die Studierenden. Die, die auf die Förderung angewiesen sind. Studis, die selber nicht genügend Kohle haben, um ein Zimmer in Tübingen zu bezahlen. Vielen ermöglicht der BAföG-Satz das Studium, vielen sichert es die nackte Existenz.

Schlechtes Vorbild

Ganz egal wie nah Reutlingen ist, der Umzug ist eine weitere Hürde zu dieser Existenzsicherung, und das ist unverhältnismäßig, das ist unnötig. Wer Anspruch auf Förderung hat, der sollte sie auch möglichst leicht bekommen. Die Praxis, Einrichtungen aus Tübingen auszulagern, weil die Raumsuche zu schwer wird, sie darf nicht Schule machen, erst recht nicht bei sozialen Einrichtungen. Das wäre fatal für die Betroffenen, fatal für das Image von Tübingen. Die große Unistadt ohne BAföG-Amt, das ist armselig. Und es ist exemplarisch für das, was in Tübingen passiert: Es geht um Räume, um Stellen, um Geld. Worum es nicht geht: die Studierenden.

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Über

Oliver Schaub

... studiert Allgemeine Rhetorik und Politikwissenschaft. Namensgeber von cantaloup.fm mit hoher Stirn und tiefer Stimme. Seit Oktober 2014 beim Uniradio; von Mai bis Dezember 2016 studentische Hilfskraft mit Schwerpunkt "Text".

1 Kommentar

  1. Es ist wirklich schade, dass genau immer die Stellen wegfallen, die dringend benötigt werden. Das Thema Bafög ist immer noch sehr umfangreich und muss von vielen Studierenden genutzt werden. Da ist eine persönliche Beratung immer sehr wichtig.

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