Die Faszination des Bösen

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Krimis gelten häufig noch als trivial. Zu Unrecht, wie der schwedische Autor Arne Dahl in Tübingen erklärt.

In seinen Romanen geht es um komplexe Figuren – einfaches Schwarz-Weiß-Erzählen bleibt dagegen außen vor. Wir haben mit ihm gesprochen.

Ein Literaturwissenschaftler, der Krimis schreibt – das klingt für manche wie ein Sternekoch, der Fastfood zubereitet. Der schwedische Autor Jan Arnald schreibt schon seit Jahren Kriminalromane: unter dem Pseudonym Arne Dahl, und das sehr erfolgreich. Über eine Million Bücher verkaufte er in Deutschland mit seinen beiden Serien um die Stockholmer „A-Gruppe“ und die transeuropäische „Opcop-Gruppe“.

Für Arne Dahl ist ein guter Krimi nicht banale Unterhaltung, sondern sozialkritisch:

Arne Dahl:

„Kriminalität ist interessant und Verbrechen sind interessant, weil sie verschiedene Teile der Gesellschaft spiegeln. Man sieht die Grenze einer Gesellschaft, wenn man sieht, welches sind die neuen Verbrechen. Was ist jetzt erlaubt und was ist nicht erlaubt.“

Im Krimi wird genau das behandelt: Wer ist der Gute, wer der Böse? Und warum, was macht eine Person böse? In den Romanen von Arne Dahl ist das manchmal gar nicht so einfach zu erkennen, denn alle Charaktere sind ambivalent.

Arne Dahl:

 „Schwarz und Weiß interessiert mich nicht. Es gibt keine reine Gutheit, es gibt keine reine Bosheit. Die Polizisten können nicht nur gut sein, sie müssen auch böse sein oder schlechte Seiten haben. Ich suche menschliche Geschichten und Menschen sind komplex. Auch die bösen Figuren müssen Tiefe haben und man kann fast alle Arten von Kriminalität, fast alle Arten von Böse, erklären.“

Auch der Ermittler Sam Berger, Protagonist von Arne Dahls neuestem Buch „Sechs mal Zwei“, hat eine dunkle Seite. Bergers Vergangenheit holte ihn im ersten Buch der Reihe „Sieben minus Eins“ schließlich ein. Für dieses Buch hatte Arne Dahl eigentlich gar keine Fortsetzung geplant, doch dann konnte der Serienautor doch nicht anders:

Arne Dahl:

„Es gab so viel Chemie zwischen den beiden Leuten, Sam und Molly, dass ich fühlte, das muss ich weiteruntersuchen. Es gibt so viele Vorteile, eine Serie zu schreiben. Man kann den Personen viele, viele Jahre folgen und man beginnt eigentlich nie vor einer weißen Seite. Für mich ist und bleibt Serienschreiben das Beste.“ 

Besser schreiben dank Studium

Über 20 Bücher hat Dahl bereits veröffentlicht und zahlreiche Preise gewonnen, darunter zweimal den Deutschen Krimipreis. Den Grund für den Erfolg sieht er auch in seiner akademischen Bildung:

Arne Dahl:

„Man kann vielleicht ein, zwei, drei Bücher ohne Bildung schreiben, aber 25 wie ich, das ist vielleicht schwieriger. Man hat doch viel mehr Möglichkeiten und Perspektiven auf Literatur überhaupt und man weiß ein bisschen mehr, was Literatur schaffen kann und was möglich ist und wo wir die Grenzen überschreiten können.“ 

Als Literaturwissenschaftler Krimis schreiben, das funktioniert also sehr gut. Zeigt Arne Dahl.

  • Kasten

    Der schwedische Krimiautor Arne Dahl ist promovierter Literaturwissenschaftler und Autor der bekannten Kriminalroman-Serien um die “A-Gruppe”. Seine Bücher wurden in 32 Sprachen übersetzt. Im November 2017 sprach er auf der Poetik-Dozentur in Tübingen.

 

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Über

Leoni Schmidt-Enke

... studiert Rhetorik und Internationale Literaturen. Mit Schirm, Charme und Aufnahmegerät ist sie seit Mai 2017 bei cantaloup.fm dabei.

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