Weltsprache Literatur – Eine Buchpremiere

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Literatur im Alltag begegnet den Einen wohl häufiger als den Anderen. Geschichten und ihre Charaktere müssen nicht immer präsent sein. Dennoch schiene eine Welt ohne sie sehr leer.

Wie beginnt man ein Buch, das den vielversprechenden Namen „Weltsprache Literatur – Die Globalisierung der Wörter“ trägt? Man fängt womöglich mit Goethe an oder in der Antike. Der emeritierte Professor Jürgen Wertheimer, der bereits zahlreiche Bücher geschrieben hat, hält sich daran nicht. Er möchte den Stoff bunt gemischt arrangieren.

Die Buchpremiere fand im „Museum“ in Tübingen statt. Gleich zu Beginn sprach Professor Wertheimer davon, dass Geschichten oft mit einem Aufbruch zu einer Reise beginnen. Einer Reise in die Welt hinaus, wie im Falle Moby Dicks. Einer Odyssee durch eine Stadt an einem Tag bei James Joyce oder einer mentalen Reise, wie Hölderlin sie durchlebte und wo die Heimat dadurch fast zur Utopie wurde.

Punkte und Linien in Bewegung

Wertheimer machte auf eine Abbildung aufmerksam, die an Teile des Universums erinnert. Die darauf dargestellten Punkte und Linien, die sich bewegen und sich gegenseitig beeinflussen, können als Metapher für die vielen Themen und Geschichten gewertet werden, die sein Buch enthalte. Gleichzeitig verdeutliche das Kunstwerk aber auch die Bedeutung der Literatur als Austauschmedium über Zeit und Raum hinweg. Foto: cantaloup.fm

Eine Reise kann viele Formen haben. So nahm der Autor die Zuhörer in einem rasanten Tempo auf eine Reise mit durch sein Buch. Die umfasste mehrere Kontinente und Zeitalter.

„Literatur beginnt dort, wo der normale Diskurs aufhört“ (Prof.Wertheimer)

Der Autor sieht Literatur als Medium des Erkennens von Gemeinsamkeiten ebenso wie von Unterschieden. Ein Schwerpunkt wurde in dem Buch daher bewusst nicht auf den „Weltliteraturkontinent“ Europa gelegt. Ein Kapitel heißt z. B. „Afrika! Afrika!“ oder „Transatlantische Gefühle“. Vielmehr wurde Europa sehr kritisch betrachtet, gerade in Bezug auf das Heute. Um Politik ging es an diesem Abend jedoch wenig und wenn doch, dann nur mit kleinen Seitenhieben. Literatur sei jedoch zwangsläufig mit Politik verbunden, wenn es darum gehe zu beschreiben und Verständnisräume zu schaffen, gerade auch ohne unmittelbare Wertungen abzugeben.
Auf 450 Seiten spannt das Buch einen großen Bogen und behandelt auch weniger geläufige Themen der Weltliteratur. Die zwanzig unterschiedlichen Kapitel reichen von Tausend und eine Nacht, Shakespeare, indischen Epen bis hin zu Bibel und Koran. Gerade vor Letzteren sollte auch die Literatur nicht Halt machen, so der Autor. Denn gerade das Spiel der Literatur, aber auch deren Ernsthaftigkeit können Berührungsängste vor Religionen nehmen.

Hornochsen vor Wandmalerei

Wandmalerei mit Ochsen

Foto von cantaloup.fm

Einen weiteren Literaturbezug wollte Professor Wertheimer mit einer anderen Abbildung schaffen, die er dem Publikum an diesem Abend präsentierte: Eine Wandmalerei mit Hornochsen und Schriftzeichen. Ohne Literatur stünden wohl auch die Menschen wie Hornochsen da. So sei es nahezu unmöglich, sich eine Welt ohne Geschichten vorzustellen. Viele literarische Charaktere seien aus unserer Welt heute nicht mehr wegzudenken. So nannte er beispielsweise den Werther, Emma Bovary oder Antigone. Und verwies auf Kafka, mit dessen Werk Menschen auf der ganzen Welt etwas anfangen können.
In seinem Buch gehe es aber auch um die wechselseitigen Einflüsse der Kulturen. Hier versuchte der Autor, immer mit Bezug auf die Vergangenheit, Lücken zu schließen, die aktuell relevant sind.

Letztlich kann das Buch sowohl als Nachschlagewerk als auch als Inspirationsquelle betrachtet werden. Dabei werden zumindest viele Leser auf Kapitel stoßen, von denen sie schon einmal gehört haben.
So endete die Buchvorstellung, nachdem viele Themen angeschnitten wurden, die Interesse auf mehr gemacht haben, mit einer Betonung auf die Macht von Sprache, sei sie manipulierend, in Kurzform auf Twitter oder schlichtweg da, um die Wahrheit zu sagen.

  • Prof. em. Jürgen Wertheimer hat Germanistik, Komparatistik, Anglistik und Kunstgeschichte an den Universitäten München, Siena und Rom studiert. Bis 2015 hatte er den Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik an der Universität Tübingen inne. 2013 gewann er den Prix international de la Laïcité.
Weltsprache Literatur – Die Globalisierung der Wörter
450 Seiten
19,90 Euro
Konkursbuch (2018)
ISBN 9783887694616

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Über

Julia Weiss

...studiert seit 2016 Psychologie an der Uni Tübingen mit Wahlfach Germanistik und ist seit zwei Semestern bei cantaloup.fm.

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