Semesterferien – Besser früh als spät. Ein Kommentar.

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Es ist heiß in Tübingen. Wäre es da nicht sinnvoll, in die Semesterferien zu starten, statt in Vorlesungen und Seminaren zu schwitzen? Ein Kommentar.

Der Sommer fängt für mich an, wenn ich das erste Mal im Jahr das großartige Angebot nutze, das die Universität Tübingen jeden Sommer macht: Eine kostenfreie Sauna, die allen Studierenden offensteht. Ganztägig geöffnet. Zentral gelegen. – Willkommen in der Wilhelmstraße, genauer gesagt im Brechtbau.

Schwitzen im Sitzen
Foto: Tim Gouw

Foto: Tim Gouw

Auch schon montagmorgens um acht lässt sich hier das Schwitzen genießen. Jedenfalls wenn man wie ich im Seminarraum 315 sitzt. Der Raum hat eine großzügige Fensterfront, durch die das Sonnenlicht ungehindert einfällt. Im Übrigen bleiben über Nacht anscheinend die Fenster geschlossen, sodass die Hitze, die sich über den Tag staut, nicht entweicht. Mit den knapp vierzig anderen Studierenden, die um mich herumsitzen, wird es dann so richtig schön stickig. Nur eine Sache fehlt, um das Sauna-Erlebnis perfekt zu machen: die viertelstündige Abkühlpause an der frischen Luft, die der routinierte Sauna-Gänger nach zehn Minuten einlegt.

Wir dagegen haben 90 Minuten in dem Seminarraum auszuharren und zu hoffen, dass unsere Wasservorräte bis dahin nicht aufgebraucht sind. Und das ist erst der Anfang. Schließlich klettern die Temperaturen noch weiter nach oben: Erst im Juli erreichen sie hier in Tübingen den Höchststand. Im Juli? Ist da nicht was? Ja, genau, Prüfungsphase. Obwohl wir uns bei Hitze deutlich schwerer konzentrieren können, schwitzen wir Studierenden dann angestrengt über Klausuren. Der Verstand trocknet also genau dort weg, wo wir ihn brauchen: an der Uni.

Semesterferien ab Juli!

Muss das sein? Nein. Sicherlich: An einer deutschen Hochschule studieren zu dürfen, ist bereits ein großes Privileg. Wer dennoch über stickige und überfüllte Seminarräume klagt, ist vielleicht auch einfach nur ein kleines bisschen verwöhnt. Aber weshalb so, wenn es auch anders geht? Müssen wir ausgerechnet dann die Prüfungen ablegen, wenn die Sonne im Zenit steht und die Gehsteige dampfen? Weshalb fällt der heißeste Monat Juli nicht einfach in die vorlesungsfreie Zeit?

Foto: Inbal Marilli

Foto: Inbal Marilli

Die Universität Mannheim macht vor, wie es geht: Sie lässt die Semesterferien im Sommer bereits im Juli anfangen und zieht die ganze akademische Jahresplanung nach vorne. Dort beginnen die Vorlesungen des Sommer- oder jetzt wohl besser Frühjahrssemesters im Februar und die des Herbstsemesters im September.

Das ist übrigens nicht nur gut für Hitzeleidende, sondern auch besser mit den Semesterzeiten anderer europäischer Hochschulländern vereinbar. Für Erasmus-Studierende hieße das: seltener aus dem deutschen Hörsaal unmittelbar in den Hörsaal der Austausch-Uni hüpfen.

Ich persönlich könnte mich mit solch einer Neuregelung gut anfreunden. Wenn ich meine Uni-Tage schon im wenig ansehnlichen Brechtbau verbringen muss, dann doch bitte zu wohltemperierten Zeiten. Es wäre ja ein leichtes, mit dem Sommer auch die Semesterferien anfangen zu lassen. Wer dann meint, die Ferien in einer finnischen Blockhütte mit Sauna zu verbringen, kann das gerne tun. Ich für meinen Teil lasse die Beine lieber erst einmal im kühlen Nass des Neckars baumeln.

Ein Beitrag von: Magdalena Bätge. Gelesen von Julia Weiß

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Über

Magdalena Bätge

studiert Germanistik und Allgemeine Rhetorik. Sie ist seit 2017 bei cantaloup.fm dabei.

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