Tübinger Max-Planck-Institut beendet Versuche an Affen

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Das Tübinger Max-Planck-Institut (MPI) für biologische Kybernetik experimentiert nicht mehr mit Affen. Damit macht das Institut seine Ankündigung wahr, die letzten Affenversuche im April 2017 abzuschließen.

MPI-Direktor Professor Nikos Logothetis hatte im April 2015 angekündigt, danach ausschließlich Versuche an Nagetieren durchführen zu lassen. Die Primaten aus der Tierhaltung des MPI wurden an Institute im europäischen Ausland übergeben. Die Affenversuche an der Universität Tübingen sind seit Jahren Streitgegenstand zwischen Tierschützern und Grundlagenforschern. Heimlich gemachte Filmaufnahmen der Affenversuche hatten im September 2014 bundesweit massive Proteste ausgelöst. Mitarbeiter der Max-Planck-Gesellschaft klagten über vermehrte Drohungen und Beleidigungen durch Tierschutzaktivisten. Aufgrund von mehreren Anzeigen ermittelt die Staatsanwaltschaft Tübingen seit 2015 gegen das MPI wegen Verstoßen gegen das Tierschutzgesetzes. Die “SoKo Tierschutz” zeigte zudem Logothetis wegen Strafvereitelung an. Das MPI weist die Vorwürfe zurück; die Ermittlungen laufen noch.

An anderen Einrichtungen der Universität Tübingen wie dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung werden Versuche an Primaten fortgesetzt. Affenversuche bezeichnete die Universität in einer Stellungnahme vom Dezember 2016 als “unverzichtbar” für biomedizinische Forschung. In Deutschland sind Medikamente ohne Tests an Tieren bislang grundsätzlich unzulässig.

Dass die Affenversuche am MPI eingestellt werden, bedauerten unter anderem der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer sowie die Max-Planck-Gesellschaft selbst. Tierschützer sprachen dagegen von einem historischen Erfolg. Zu den Fürsprechern der Entscheidung gehört auch die Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg, Dr. Cornelie Jäger. Im Gespräch mit cantaloup.fm kritisierte sie die Auslegung der EU-Tierschutzrichtlinien, sprach sich aber auch für eine Versachlichung der Debatte aus.

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Über

Oliver Schaub

... studiert Allgemeine Rhetorik und Politikwissenschaft. Namensgeber von cantaloup.fm mit hoher Stirn und tiefer Stimme. Seit Oktober 2014 beim Uniradio; von Mai bis Dezember 2016 studentische Hilfskraft mit Schwerpunkt "Text".

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