Zwangsräumung eines Universitäts-Gebäudes endet in Brand und Todesfall

0
Heute Morgen (20.03.) kam es bei einer Zwangsräumung in der Biesingerstraße (Schlossberg) zu einer Auseinandersetzung zwischen Räumungsbeauftragten und dem 69-jährigen Bewohner. Beim Eintreffen der beiden Beamten brannte die Wohnung bereits. Aus bislang ungeklärten Gründen fiel der 69-Jährige vom Balkon. Ob er stürzte oder sprang, ist noch nicht bekannt. Der Mann verstarb noch am Unglücksort.
17431529_1414648151933733_1200959126_o

Die Löscharbeiten dauern weiterhin an.

2011 hatte die Universität Tübingen beim Einrichten des Gebäudes für die Kulturwissenschaften festgestellt, dass der ansonsten obdachlose Mann unberechtigterweise in den Büroräumen wohnte. Dieser war bis August 2011 als Hilfswissenschaftliche Kraft bei der Universität beschäftigt gewesen. Mehrere Räumungsklagen waren seit 2012 immer wieder aufgeschoben worden.
Nachdem der Obdachlose mehrfach kostenlose Wohnungsangebote seitens der Stadtverwaltung und des Sozialamtes ausgeschlagen hatte, war die Zwangsräumung Anfang 2017 vom Gericht angeordnet worden. Diese sollte am 20.03.2017 vollstreckt werden.
Als der Gerichtsvollzieher und der Mitarbeiter des Ordnungsamtes in der Biesingerstraße eintrafen, schoss der 69-Jährige mit einer Waffe auf den Mitarbeiter. Der Ordnungsbeamte wurde am Ärmel der Jacke gestreift, aber nicht verletzt. Woher die Waffe stammt, ist bislang nicht bekannt. Der 69-Jährige besaß keinen Waffenschein, bestätigte die Pressesprecherin der Stadt Tübingen auf Nachfrage von cantaloup.fm.

Die Pressestelle der Universität fasste die Ereignisse bis zur Zwangsräumung chronologisch zusammen:
  • September 2011: Universität bittet um Rückgabe der Räume; der Bewohner weigert sich. Eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch ist nicht möglich, da ein faktisches Mietsverhältnis bestehen könnte.
  • November 2011: Ordentliche Kündigung des eventuell bestehenden faktischen Mietsverhältnisses; der Betroffene leistet der Kündigung keine Folge.
  • Juli 2012: Mündliche Anhörung vor dem Amtsgericht aufgrund von Räumungsklage; der Betroffene erkennt den Verfügungs- und Räumungsanspruch an, zieht dennoch nicht aus; die 1. Zwangsvollstreckung wird angekündigt.
  • Feburar 2013: Räumungstermin wird aufgrund eines ärztlichen Attests wegen Suizidgefährdung aufgehoben; ein Gutachten vom Landratsamt wird angefordert.
  • Dezember 2015: Erneuter Antrag der Universität auf Zwangsvollstreckung auf Grundlage eines amtsärztlichen Gutachtens; erneute Räumungsfrist bis Mai 2016.
  • Feburar 2016: Amtsgericht stellt erneut Zwangsvollstreckung ein und fordert erneutes medizinisches Gutachten wegen Suizidgefährdung.
  • April 2016: Gutachten ergibt “kein erkennbar erhöhtes Risiko für suizidale Handlungen”.
  • Dezember 2016: Universität Tübingen stellt erneuten Antrag auf Zwangsvollstreckung, der Räumungstermin wird auch nach Beschwerde auf den 20. März 2017 festgelegt.
Update:

Laut dem Schwäbischen Tagblatt ist das Arno-Rouff-Archiv vom Brand betroffen. Die 2.000 dialektischen Tonaufnahmen seien in den vergangenen Jahren jedoch komplett digitalisiert worden, hieß es von der Pressestelle der Universität. Ob auch die Tonbänder des schwäbischen Mundartarchivs von Hermann Bausinger komplett digitalisiert wurden, konnte Uni-Kanzler Andreas Rothfuß gegenüber dem Tagblatt nicht bestätigen.

Die Pressemitteilung der Stadt Tübingen finden sie hier.

Teilen.

Über

Annika Petrasch

... studiert Germanistik und Internationale Literaturen. Sie ist seit dem Wintersemester 2013 Freelancer bei cantaloup.fm und betreut den Social Media-Auftritt mit - Tag und Nacht.

Hinterlasse einen Kommentar