Raus aus der Tübingen-Blase!

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Tübingen ist wunderbar zum Student sein. Und doch überkommt so manchen gelegentlich das surreale Gefühl, in einer Welt aus Zuckerguss zu leben. Raus da!

Tübingen ist alternativ, grün, schön, gemütlich, romantisch, harmonisch, friedlich… ja kurzum: Tübingen ist Idylle pur. Und da liegt das Problem.

Wer in der Idylle lebt, lebt in der Blase – in einer Studentenstadt wie Tübingen vielleicht ganz besonders. Rund 28.300 zumeist junge Menschen studieren an der Universität Tübingen. Dazu kommen nochmal rund 4.500 Wissenschaftler und 2.300 Angestellte. Die Beschäftigten der Uni-Klinik nicht zu vergessen. Nicht alle leben auch in Tübingen, aber es sind viele. Dementsprechend studentisch ist die Atmosphäre in der Stadt. Wenn ich also meinen Freunden zuhause in der ostfriesischen Heimat von Tübingen erzähle, dann besteht Tübingen vor allem aus der Uni, einer schönen Altstadt sowie zahlreichen Uni-Gebäuden, Studenten-Cafés, Bibliotheken und der Uni-Klinik.

Unter dem Zuckerguss

Tübingen ist wunderbar zum Student sein – keine Frage. Und doch kommt mir hin und wieder das Gefühl, in einer Paralellwelt zu leben. Tübingen ist für mich eine Stadt, die wie mit einer dicken Zuckerguss-Glasur überzogen ist. Und gleichzeitig – so mein Gefühl – merkt man kaum, was außerhalb dieser dicken Haube so passiert. Man ahnt es nur. Draußen, außerhalb dieser Blase, wo die echte Welt mit all ihren Zwängen, Hindernissen und Problemen wartet.

Eine Welt, die wir Studierende sicher alle wohl noch früh genug kennenlernen werden. Und doch ist das Studium eben kein Selbstzweck, sondern soll uns ja gerade  auf das spätere Leben und den Berufsalltag vorbereiten. Wie soll das aber gehen, wenn ich immerzu in meiner schwäbischen Kleinstadt in der Studentenblase klebe – zwischen Morgenstelle und Brechtbau?

Raus aus der Komfortzone!

Eine Flucht nach draußen ist die Lösung. Dies ist ein Plädoyer, rauszukommen aus der eigenen Gemütlichkeit, der eigenen Tübinger Komfortzone. Die gute Nachricht dabei: Es war nie einfacher! Ein Auslandssemester ist für manchen bereits reizvoll. Das Pflichtpraktikum mal nicht am Studienort zu machen vielleicht auch. Sich engagieren in einem Freiwilligendienst fernab der schwäbischen Gelassenheit – und sei es nur über die Semesterferien. Die Möglichkeiten der Blase zu entfliehen sind groß, sie zu sehen und zu nutzen ist die Herausforderung.

Und wer nun sagt: “Brauch ich alles nicht” – dem sei gesagt, dass auf Dauer bei jeder Idylle der Lack ab geht! Stattdessen: Rausgehen, ausprobieren, austoben. Dann ist ein Wiedersehen mit der Tübinger Blase umso schöner, grüner, alternativer, romantischer…

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Über

Lennart Stock

... studiert Medienwissenschaften und ist das Nordlicht bei cantaloup.fm. Geboren in Ostfriesland zog es ihn für den Master ins schöne Tübingen – und so zu cantaloup.fm.

2 Kommentare

  1. Avatar

    Es reicht manchmal auch schon ein Besuch der Nachbarstadt. So hat bspw. Rottenburg, Reutlingen und Mössingen ernsthafte Probleme mit Nazis (Stichwort: Dritter Weg) und was in Tübingen so schön “schön, grün, alternativ” wirkt, wird dort mit AfD- und Nazi-Parolen und schwäbischen Stammtisch-Konservatismus immer wieder überklebt.

  2. Avatar

    Mir scheint eher das studentische oder akademische an der Blase das Problem zu sein, nicht, dass es in Tübingen nur Idylle zu finden gibt: (Alters-)armut, Ressentiments gegenüber Geflüchteten u.ä. begegnen einem doch hier wie anderswo auch. Zugegeben im Vergleich zu anderen Städten mag der Grad ein anderer sein, aber es ist doch nicht so, als wäre hier alles für jeden zuckersüß…

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