Studiengebühren für internationale Studierende: Eure Meinung

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Das würde Landesbildungsministerin Theresia Bauer hören, wenn sie die internationalen Studierenden in Tübingen zu ihrem Gesetzesvorschlag fragte.

Seit Herbst 2016 ist die Wiedereinführung der Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger und Studierende mit Zweitstudium in Baden-Württemberg ein umstrittenes Thema. Nun überreichte der Studierendenrat 3000 Unterschriften gegen die geplanten Studiengebühren  an den Tübinger Landesabgeordneten Lede Abal.

Die Wiedereinführung, so befürchten Kritiker, könnte der Internationalität von Tübingen schaden. “International seit 1477” ist ein Slogan der Universität Tübingen. Studierende zahlreicher Nationalitäten prägen das Flair der Stadt. Die Abschaffung der Studiengebühren gab vielen Gaststudenten den Anreiz, an deutschen Universitäten zu studieren. Mit dem geplanten Gesetz könnte dieser Anreiz verloren gehen. Die wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen des Gesetzes sind nicht zu unterschätzen, so die Kritiker. In Stuttgart, Freiburg und Heidelberg demonstrierten die Studierenden gegen die beabsichtigte Erhebung von Studiengebühren. Auch durch die von fast 14.000 Menschen unterschriebene Petition auf change.org versuchen sie auf die Pläne der Landesregierung einzuwirken. Derzeit befindet sich der Gesetzentwurf  von Landesbildungsministerin Theresia Bauer in der Anhörungsphase. Die Beschlussfassung im Landtag wird im April oder Mai 2017 stattfinden.

Im Wintersemester 2015/16 gab es laut einer Statistik des Bundeslandes Baden-Württemberg 47.603 ausländische Studierende und StudienanfängerInnen an Hochschulen im Land. Wir haben internationale Studierende in Tübingen nach ihrer Einschätzung zum Gesetz gefragt.

Hier die Meinungen von Karim, Martina und Tatjana.

Karim Abada kommt aus Ägypten und studiert Politikwissenschaft und Geschichte im siebten Hochschulsemester:

karim

Ich finde, das vorgeschlagene Gesetz von der Landesregierung Baden-Württemberg entspricht jetzt nicht ganz dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Ich kann verstehen, warum man sowas machen will, nur mit dieser Reaktion kann ich mich überhaupt nicht anfreunden. Zumal ist der geforderte Betrag von 1.500 im Semester pro Nicht-EU-Ausländischem Studierenden sehr, sehr hoch. Das entspricht mehreren Monatsmieten im Studentenwerk, im ganz normalen Studentenwohnheim. Zudem finde ich es auch nicht angebracht, Studenten oder irgendjemand nach dem Pass oder nach der Nationalität irgendwie zu beurteilen oder zu differenzieren. Da die Nationalität etwas ist, das man nicht so einfach kontrollieren kann. Wir haben sehr, sehr wenig Einfluss darauf, woher wir kommen und was für einen Pass wir haben. Und es kann jetzt wirklich nicht sein, dass in einem Hörsaal, wo ein Deutscher, ein Franzose, zwei Tunesier und ein Spanier sitzen, alle da den gleichen Input hören, nur zwei davon müssen zehnmal so viel zahlen wie die anderen drei.

Martina Pinto kommt aus Ecuador und studiert im dritten Semester im Bachelor Anglistik und Amerikanistik:

martina

Ich glaube, dass wenn es Regeln gibt, dann müssen die für alle gleich sein. Das heißt, wenn ein Deutscher nach Australien geht, dann muss er zahlen, wenn ein Australier geht, soll der auch zahlen. Bei uns in Ecuador ist es so, dass man für die Studiengebühren zahlen muss, und zwar sehr viel. Wenn Ausländer kommen, dann müssen sie das gleiche zahlen. Jetzt zahlen wir für Studiengebühren alle das Gleiche und ich glaube, so muss es sein – dass jeder das gleiche zahlt.

Tatjana Matveenko kommt aus Weißrussland und studiert Medienwissenschaft im ersten Mastersemester:

tatiana

Die Uni wird dann an der Anzahl von internationalen Studierenden verlieren. Und das wird sich, glaube ich, auch nicht lohnen für Baden-Württemberg. Weil, die anderen Studenten werden einfach andere Universitäten, andere Länder wählen.

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