Deinem Handy ist das peinlich – dir nicht?

1
Ein altes Nokia 3310 Handy rutscht peinlich berührt auf seinem Kinositz rum. Ein Kinospot, den jeder kennen sollte, doch die meisten ignorieren.

Meistens löst der Spot einige Lacher aus, weil er wirklich sehr altbacken ist. Doch die eigentliche Botschaft kommt leider nicht mehr rüber. Das Klingeln ist nämlich eigentlich gar nicht das Problem. Eher wird mal eben eine WhatsApp-Nachricht hier und eine Facebook-Message da gelesen. Wie Leuchtbojen in einem Meer aus Menschen blinken hier und da kurz Lichter auf.

Kinomodus statt Flugmodus

Ich gehe ein bis zwei Mal die Woche ins Kino und kann mittlerweile gar nicht mehr anders, als solche Leute zu beobachten. Viele schämen sich noch nicht mal. Alle zwei Minuten blitzt es wieder auf und siehe da: wieder eine neue Nachricht. Und dann frage ich mich immer: Geht es nur mir so? Finden die anderen um mich herum das nicht so schlimm? Warum geht keine Welle der Entrüstung durch die Sitze? Und natürlich könnte ich es einfach ignorieren, mich zwingen, meinen Blick starr auf die Leinwand zu richten.
Aber auf der anderen Seite sollte man so einer Unverschämtheit auch Einhalt gebieten. Keine WhatsApp-Nachricht ist so wichtig, dass sie sofort während des Films gelesen – und auch beantwortet – werden muss. Wenn man eine Nachricht wie „Oma gestorben“ oder „Willst du mich heiraten?“ bekommt, geht man entweder raus und klärt das, oder man wartet das Ende des Filmes ab. Und, ganz ehrlich: Wenn man einen Heiratsantrag per WhatsApp bekommt, sollte man vielleicht noch mal über die Antwort gründlich nachdenken. Sobald der Film angeht einfach das Handy in den Flugmodus setzen (sollte man vielleicht in Kinomodus umbenennen, weil im Flugzeug braucht man den ja gar nicht mehr), dann kommt erst gar nichts an.

Popcorn, die Ursünde des Kinos
author_e831b20c2bf6063ecd0b470de7444e90fe76e6dd1cb814439df5c4_640

Popcorn- oder Chips-Gemampfe sind genauso störend wie Telefonate während des Films.

Aber leider hört es bei dem Handy ja nicht auf. Während die Handybenutzung im Kino allgemein ungern gesehen wird, gibt es andere Störfaktoren, die vom durchschnittlichen Kinobesucher als “normal” angesehen werden. Aber ich will niemanden im Kino hören, der Popcorn oder Chips mampft. Klar, Popcorn gehört für Viele zum Kino dazu. Ich denke, da wurde von Anfang an ein Fehler gemacht. Aber Chips sind wirklich der denkbar unpassendste Snack, den man im Kino essen kann. Meiner Meinung nach sollte im Kino gar nicht gegessen werden. Aber wenn, dann bitte doch geräuscharme Snacks. Auch Flaschen kann man geräuscharm öffnen. Natürlich wären Getränke in Gläsern noch viel besser, aber das muss auch angeboten werden.
Und damit komme ich zum Knackpunkt der ganzen Sache.

Wen wollen die Kinos als Besucher?

Denn ich sehe da auch ein wenig die Kinos in der Mitverantwortung. Zum Glück hat das Kino Blaue Brücke die Unsitte mit den Nachos schnell wieder eingestellt. Aber sie sollten vielleicht auch eine gewisse Handy-Etikette in ihren Sälen durchsetzen. Einen veralteten Kino-Spot vor jedem Film laufen lassen bringt offensichtlich herzlich wenig. Es gibt Kinos, die da rigider sind, und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass die Tübinger Kinos mal auch ein wenig Mut beweisen. (Ein Vorschlag für einen neuen Spot zum Beispiel findet man hier).

Ist ja auch nicht gerade zu deren Vorteil, lauter WhatsApp-Besessene in ihren Kinos zu haben. Die Leute, die in Ruhe einen Film schauen wollen, überlegen sich zweimal, ob sie in ein Kino gehen, in dem der eigentliche Film offensichtlich nur eine Nebenveranstaltung ist. Den Leuten, die ohne Scham WhatsApp oder ähnliches lesen, scheint es egal zu sein, ob das Kino noch Besucher hat. Bei den Kinos Arsenal und Atelier mag das noch ein wenig anders gelagert sein, weil deren Filmauswahl von Anfang an ein anderes Publikum anzieht, aber ich möchte ja auch die großen Filme genießen können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kinobetreiber so wenig Achtung vor den Filmen haben, die sie zeigen, dass sie nicht ein paar simple Regeln durchsetzen können.

Wie stellt ihr euch euren idealen Kinobesuch vor? Hinterlasst einen Kommentar.
Das ist ein Artikel unserer noch namenlosen Kolumne, die ihr ab jetzt immer mittwochs auf cantaloup.fm findet. Unsere Autoren kommentieren darin aktuelle Themen aus Hochschulpolitik und Unileben. Habt ihr einen Namensvorschlag? Dann kommentiert diesen Beitrag oder schreibt uns!
Teilen.

Über

Christopher Van der Meyden

...studiert seit 2012 Geschichte und Philosophie und arbeitet seit Sommer 2014 bei cantaloup.fm.

1 Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar