Der Pechvogel

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Die Uni Tübingen und das Uniklinikum müssen ausbauen. Der Naturschutz macht dabei einen Strich durch die Rechnung. Genauer gesagt: Der Ziegenmelker.

Der Ziegenmelker, das ist kein fingerfertiger Hirte, sondern ein kleiner, nachtaktiver Vogel. Für die Uni und das Uniklinikum Tübingen (UKT) wird er zum Problem: Sie möchten und müssen ausbauen. Wie das Tagblatt berichtete, betrifft das den Lebensraum des Ziegenmelkers. Der ist aber auf der Roten Liste gefährdeter Arten in Deutschland geführt.

Er  und andere geschützte Vögel leben zum Beispiel auf dem Steinenberg, den das UKT als Bebauungsfläche in Erwägung zieht. Standortfavoriten der Uni, Rosenau und Ebenhalde, seien laut einer Untersuchung des Architekturbüros Heinle, Wischer und Partner zwar ebenfalls vom Ziegenmelker besetzt, bei einer Teilbebauung ließen sich die Auswirkungen auf den Artenschutz aber verringern.

Eine Lösung wäre, noch weiter zu verdichten. Das geht aber nur in begrenztem Maße. Oder die Universität sucht andere Flächen zum Ausbau. Andererseits sollen der Campus und die Unikliniken erreichbar bleiben. Tatsächlich besteht auch die Möglichkeit, die Ziegenmelker umzusiedeln. Man kennt das Verfahren bereits von Stuttgart 21. Da waren es Eidechsen oder der Juchtenkäfer. Allerdings ist eine Umsiedlung zwangsläufig mit einem großen Mehraufwand an Zeit und an Geld verbunden.

Momentan ist noch unklar, wie die Universität und die Uniklinik tatsächlich ausbauen werden. Heute und morgen, bei den Einwohnerversammlungen am 23. Mai um 19 Uhr in der Hermann-Hepper-Halle und am 24. Mai um 19 Uhr in der Turnhalle Feuerhägle in Derendingen, wird der Flächennutzungsplan der Universität und des Uniklinikums öffentlich vorgestellt. Ihre Entwicklung steht ganz oben auf der Agenda des Abends. Das Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg und das beauftragte Planungsbüro menz Umweltplanung waren vorher für nähere Rückfragen nicht zu erreichen.

Der Ausbau in Zahlen:

Hier findet ihr eine Übersicht zu den Gebieten, die UKT und Uni als Bauflächen in Erwägung ziehen. Ergänzt sind die erwarteten Folgen einer Bebauung für den Artenschutz und andere, flächenspezifische Landschaftsmerkmale. Die Zahlen basieren auf den Angaben der Stadt Tübingen, der menz Umweltplanung und des Architekturbüros Heinle, Wischer und Partner.

Das UKT:

Für die Uniklinik sind bis zum Jahr 2050 Erweiterungsflächen von ca. 36.000m² Nutzfläche prognostiziert, die nicht mehr durch Innenverdichtung hergestellt werden können.

Steinenberg
Größe: 9,6ha
Auswirkungen: gering auf Grundwasser; sehr hoch auf Artenschutz
Sarchhalde/Maderhalde
Größe: 6,5ha
Auswirkungen: gering auf Grundwasser; westlicher Teil: sehr hoch auf Artenschutz; östlicher Teil: gering auf Artenschutz
Sarchhalde mit südlicher Erweiterung
Größe: 7,5ha
Auswirkungen: gering auf Grundwasser, Artenschutz; hoch auf Boden, Klima, Landschaftsbild
Grafenhalde/Unterer Schnarrenberg
Größe: 7,5ha
Auswirkungen: gering auf Boden, Grundwasser, Klima; hoch auf Artenschutz, Landschaftsbild (gesamte Fläche); gering auf Artenschutz, Landschaftsbild (reduzierte Fläche)
Die Universität:

Für die Universität sind bis 2035 23.000m² Nutzfläche zusätzlich zur Innenverdichtung prognostiziert.

Rosenau/Ebenhalde
Größe: 12,3ha
Auswirkungen: gering auf Grundwasser; sehr hoch auf Artenschutz
Heuberg
Größe: 5,5ha
Auswirkungen: gering auf Grundwasser, Klima, Artenschutz; hoch auf Boden, Landschaftsbild
Steinenberger Egert/Neuhalde/Rosenau
Größe: 15,6ha
Auswirkungen: gering auf Grundwasser, Klima; hoch auf Boden, Landschaftsbild; sehr hoch auf Artenschutz (gesamte Fläche); hoch auf Artenschutz (reduzierte Fläche)
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Über

Charlotte Geißler

... ist seit Anfang 2016 bei cantaloup.fm und auch im Social-Media-Team tätig. Ihre Begeisterung für das Schreiben und für den Journalismus kann sie hier praktisch umsetzen.

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