Wahllos gewählt: Zu wenig Infos zu den Uni-Wahlen 2017

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Vergangene Woche fanden die Studierendenwahlen statt. Aber wohin mit den Kreuzchen, wenn die Kandidaten zwar einen Namen, aber kein Gesicht haben? Ein Kommentar.

Er lächelt nett und hebt die Hand – der Biber auf dem StuRa-Logo. Doch wenn der Biber nach letzter Woche weiter so nett lächelt, muss ihm das schon einiges abverlangen. Denn die Studierenden scheinen sich nicht sonderlich für ihre Stellvertreter im Studierendenrat (StuRa) zu interessieren. Zwar hatten die Hochschulgruppen in der Mensa Wilhelmstraße ihre Flyer ausgelegt und schlugen an den Wahltagen die Werbetrommel. Aber nur zwölf Prozent der Wahlberechtigten fanden den Weg bis zur Urne.

Das Kreuzchen, das ins Ungewisse geht

Und wer, wie ich, der Spur bis zum Wahlraum gefolgt war, verlor spätestens dann die Orientierung, als er die Wahlzettel in der Hand hielt. Vier verschiedenfarbige Blätter zu jeweils unterschiedlichen Wahlen. Die Kandidaten und Gruppen sauber durchnummeriert. So weit, so gut.

Was aber sagte mir nun beispielsweise die Kandidatenliste für den Fakultätsrat? Welche Gesichter verbargen sich hinter den aufgeführten Namen und wofür traten sie ein? Immerhin stand in Klammern das Studienfach, was auch immer daran entscheidungsrelevant sein sollte. Nun gut, manch einem mag sie die Entscheidung erleichtert haben: Skandinavist wählt gerne Skandinavist und Physiker gerne Physiker. Manch anderer machte sich die Entscheidung wahrscheinlich noch leichter und kreuzte rasch die ersten zehn Namen auf der Liste an. Sieht so eine Wahl aus?

Ungenügende Information

Nun mag man einwenden, dass ich meine Wahl eben auch nicht erst dann treffen sollte, wenn ich in der Wahlkabine verschwunden bin. Ein Wahlzettel ist schließlich kein Wahlprogramm, sondern schlicht und einfach ein Wahlzettel. Aber gab es das? Ein Programm? Hätte ich mir schon vorher ein Bild von den Kandidaten machen können? Was die Wahl zum Studierendenrat und zum Senat angeht: Am 29. Juni fand die Elefantenrunde statt, in der sich alle Vertreter der sieben kandidierenden Gruppen vorstellten. Nahezu jeder Tisch in der Mensa Wilhelmstraße war, wenn schon nicht mit Tellern, dann doch mit Flyern gedeckt. Und wenn ich dann aus der Mensa heraustrat, lief ich an Ständen der Hochschulgruppen vorbei. Der Müsliriegel vom RCDS schmeckte zwar gut und die Ohrenstöpsel von den Jusos sind im Uni-Alltag gut zu gebrauchen. Doch erstens wusste ich damit noch nicht, wer sich hier welche Ziele setzte. Und zweitens: Weshalb standen die Stände erst so knapp vor der Wahl da? Anstatt in allerletzter Sekunde möglichst viele Handzettel unter die Studierenden zu bringen, hätten zwei, drei Informationswochen gutgetan.

Die Inhalte auf den Flyern? Da wäre zum Beispiel der Slogan „Freier Zugang zu Bildung ohne bürokratische und finanzielle Hürden“. Klingt gut. Aber was genau habe ich mir darunter vorzustellen? Welche konkreten Maßnahmen möchten die Werber hier ergreifen? Hätten die Informationsstände schon vor der Wahl dagestanden, hätte ich in aller Ruhe die Bewerber abklappern und von Angesicht zu Angesicht nachbohren können.

Keine Information

Was die Wahl zum Fakultätsrat und zur Fakultätsvertretung angeht, stand ich noch viel ratloser da: Kein Flyer, keine Vorstellungsrunde. Nichts. Nur eine Rundmail zwei Wochen vor der Wahl, in der die Wahlvorschläge der Studierenden standen. Doch das war ja genau die Namensliste, die mir nachher als Wahlzettel vorlag. Nicht mehr, nicht weniger.

Eine Mail zur Minimal-Aufklärung

Das sollte sich zur nächsten Wahl ändern. Wie wäre es, wenn die Gremienverwaltung zur Studierendenwahl 2018 nicht nur aufruft, sondern auch sachliche Information über die Aufgaben und Funktionsweise der Gremien gibt? Wenn sie dann noch auf Informationsveranstaltungen und Kandidatenvorstellungen hinweist, umso besser. Sicherlich liest nicht jeder Studierende seine Mails, Rundmails schon gar nicht. Aber es gäbe uns Wahlberechtigten wenigstens die Chance, nicht wahllos irgendwelche Kreuzchen zu setzen. Und wenn dadurch mehr Studierende an die Urne treten, umso besser. Dann kann vielleicht auch der StuRa-Biber wieder befreit lächeln.

Was meint ihr? Bedarf es mehr Informationen zur Studierendenwahl oder ist es nur an uns Studierenden, die vorhandenen Informationen besser zu nutzen? Schreibt uns einen Kommentar und diskutiert mit, hier oder auf Facebook!

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Über

studiert Germanistik und Allgemeine Rhetorik. Sie ist seit 2017 bei cantaloup.fm dabei.

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