Studierende kämpfen um den Erhalt des Zeicheninstituts

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Studierende der Uni Tübingen haben heute dem Rektorat die Unterschriften der Petition zum Erhalt des Zeicheninstituts übergeben. Wir waren für euch mit dabei.

Von Sandra Hirsch und Rebecca Schau

Der Leiter des Zeicheninstituts, Frido Hohberger, wird Ende September in Rente gehen. Die Uni Tübingen hat jedoch keine neue Stelle ausgeschrieben, in seiner bisherigen Form will die Unileitung das Institut nicht weiterführen. Das erregt den Unmut einiger Studierender, die sogar eine Petition ins Leben gerufen haben. Die Unterschriften übergaben sie heute dem Rektorat, das sie bei bei einem Gespräch zur künftigen Konzeption des Zeicheninstituts überraschten.

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Die Studierenden vor der Übergabe der Unterschriften. Von links nach rechts: June Li, Stina Mettke, Paul Stoeckle, Dominik Jais und Maike Gerstenkorn. Foto: cantaloup.fm

Über Tausend Unterschriften

Insgesamt sind 1.445 Unterschriften zusammengekommen, davon 637 handschriftlich und 808 über eine Online-Petition. Zusätzlich wurden 105 Fragebögen unter den Studierenden des Zeicheninstituts verteilt. Deren Auswertung ergab, dass der Wunsch besteht, das Zeicheninstitut in seiner bisherigen Form zu erhalten.

Jana Dix, die Urenkelin des Künstlers Otto Dix, befindet sich unter den Unterzeichnern. In den Kommentaren schreibt sie:

“Der Maler ist das Auge der Welt” (Otto Dix) – Dem Zeicheninstitut seinen Kopf zu nehmen und damit auch seine Augen, wäre ein großer Verlust für uns Tübinger Studenten. Das Zeicheninstitut ist nicht einfach nur ein Ort, an dem ECTS-Punkte gesammelt werden, sondern die Gelegenheit seine Kreativität auszuleben, sie mit anderen zu teilen und einen neuen Blickwinkel auf Dinge zu bekommen. Ich wünsche mir, als Ururenkelin von Otto Dix und als Tübinger Studentin, dass das Zeicheninstitut bestehen bleibt und zwar mit einem würdigen Leiter, der Frido Hohbergers wunderbare Arbeit fortsetzen kann, so dass wir und die kommenden Generationen auch weiterhin in den Kunstkursen unseren ganz persönlichen Weltblick auf Papier verewigen können.”

Maike Gerstenkorn, die als Studentin auch Zeichenkurse am Institut gibt, hat die Online-Petition initiiert und erzählt von ihren Erwartungen:

Rektorat wenig begeistert

Auf den Überraschungsbesuch während der Besprechung mit Lehrbeauftragten des Zeicheninstitutes und die Initiative der Studierenden reagierte das Rektorat wenig begeistert.

Laut Prorektorin Karin Amos und Kanzler Andreas Rothfuß ist nicht vorgesehen, das Zeicheninstitut zu schließen. Die Prorektorin räumte aber ein, dass darüber beratschlagt wird, ob es in Zukunft eine formale Leitung geben soll oder ob sogenannte “invited artists” lehren werden. Im Gegensatz zu den Studierenden sehen die Entscheidungsträger das als Erweiterung und Qualiätssteigerung. Die Fokussierung auf einen Leiter wie Frido Hohberger sei irritierend, da das Zeicheninstitut eine gemeinschaftliche Sache sei.

Die Studierenden halten die Auflösung der leitenden Stelle für eine Einschränkung des Zeicheninstituts und setzen sich für den Erhalt und die Neuauschreibung der Leitung ein. Ihre Befürchtung ist, dass die Qualität des Instituts unter der Umstrukturierung leiden wird.

Die Studierenden im Gespräch mit Prorektorin Prof. Dr. Karin Amos und Kanzler Dr. Andreas Rothfuß

Die Studierenden im Gespräch mit Prorektorin Prof. Dr. Karin Amos und Kanzler Dr. Andreas Rothfuß. Foto: cantaloup.fm

Trotz einer Diskussion, in der der Kanzler seinen Unmut ausdrückte, gelang es den Initiatoren, ihre vorbereitete Rede zum Erhalt des Zeicheninstituts vorzutragen und die Unterschriftenliste zu überreichen – auch wenn sie dabei mehrfach durch das Rektorat unterbrochen wurden.

Die Studenten Paul Stoeckle und Stina Mettke ziehen aus der Übergabe der Unterschriften und der kurzen Diskussion ein positives Fazit:

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Über

Sandra Hirsch

... studiert seit 2015 Medienwissenschaft und empirische Kulturwissenschaft an der Uni Tübingen und ist genauso lang bei cantaloup.fm.

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