So einfach kann Studieren sein

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Eine Universität ohne Bürokratie? Undenkbar! Die Uni Helsinki beweist, dass es auch ohne geht. Ein Kommentar.

Exzellenzinitiative, Hochschulranking und Selbstbeweihräucherung versperren der Uni Tübingen häufig den Blick auf eigene Schwächen. Dabei könnten wir viel dazulernen, beispielsweise von unseren internationalen Partnerunis.

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Finnische Studenten beim Vappu am 1. Mai an der Havis Amanda in Helsinki. © Mikko Virta.

Festbeleuchtung des Doms zum 100. finnischen Unabhängigkeitstag (Itsenäisyyspäivä). Foto: Privat.

Festbeleuchtung des Doms zum 100. finnischen Unabhängigkeitstag (Itsenäisyyspäivä). Foto: Privat.

Ein Jahr zum Studieren nach Finnland: Und an dieser Stelle folgt dann üblicherweise seitenlange Schwärmerei. Natürlich könnte ich das auch tun, ich könnte von Saunapartys erzählen und vom Weihnachtsmann. Davon, dass alle Finnen fließend Englisch sprechen und dass es hier im Winter sehr dunkel ist. Aber dann bliebe kein Raum für die Uni übrig.

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Ohne Komfort und Farbe kommt in Helsinki keine Lernstimmung auf. Foto: Privat.

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Im Lernzentrum der angehenden Lehrer. Foto: Privat.

Ich will deswegen lieber von der Universität Helsinki berichten und was wir von ihr alles lernen können. Denn nach meinen Erlebnissen ist es bisher nur der Tübinger Studentenausweis, der besser funktioniert. In Helsinki braucht man nämlich drei Karten: Studentenausweis, Bibliotheksausweis und Druckkarte. Schlimmer wird es allerdings nicht. Widmen wir uns also einer Auswahl an dem, was in Helsinki besser läuft.

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Die gemütlichsten Sessel im Kaisa-Talo. Foto: Privat.

Beispiel Eins: Die Einführungswoche
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Fuksiseikkailu: Die Erstis müssen verschiedene Aufgaben erledigen und Punkte sammeln, um das Spiel zu gewinnen. Foto: Humanisticum ry.

Wer an der Universität Helsinki zu studieren beginnt, nimmt Teil an der Einführungswoche. Das Konzept ist auch in Tübingen bekannt. Das Ergebnis ist jedoch nicht weltbewegend, für mich war hauptsächlich die Kneipentour eine Hilfe. In Helsinki ist das anders: Die „Orientation Week“ ist verpflichtend – für Erstis, Internationale und Master-Studenten gleichermaßen. Kleingruppen aus Studienanfängern des gleichen Faches werden Tutoren zugeteilt, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Uni hilft bei allem: Von Campus-Führungen zu Einführungsveranstaltungen, aber auch bei Kursanmeldung, Wohnungssuche und dem Kauf des Semestertickets.

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Fuksiseikkailu der Geisteswissenschaftler 2016. Foto: Humanisticum ry.

Mit der Tutorengruppe wird dann später auch das Fuksiseikkailu bestritten: Ein stadtweites Schnitzeljagd-Abenteuerspiel, organisiert von der Universität und den Fachschaften für alle Studienanfänger. Dazu gehört ein Kostümwettbewerb und die Möglichkeit, „Badges“ zu gewinnen. Diese Badges braucht der finnische Student für seinen persönlichen Study-Overall (Haalarit): Einen Ganzkörperanzug in der Farbe seines eigenen Studienfaches, der nie gewaschen werden darf. Die Badges an den Overalls zeigen, was der Student erlebt hat:

Ein Spiel beim Fuksiseikkailu 2017. © Juuso Koivisto.

Ein Spiel beim Fuksiseikkailu 2017. © Juuso Koivisto.

Vom Draußenschlafen im Nationalpark im Winter bis zur Mitgliedschaft im Science-Fiction-Club der Uni ist alles dabei.

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Eine kleine Badgessammlung. Foto: Privat.

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Die Haalarit sind für jedes Fach verschieden. Erstis dürfen noch keine tragen. Foto: Humanisticum ry.

Beispiel Zwei: Die Erasmus-Organisation
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Egal, ob gerade Bedarf ist: Der Service der Uni ist immer geöffnet und einsatzbereit. Foto: Privat.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Erasmus-Organisation der Universität Tübingen höchst mangelhaft ist. Ganz alleine trägt die Uni jedoch nicht die Schuld daran. Das angeblich so unkomplizierte Europa liebt schließlich Formulare und Behördengänge. Dementsprechend unverständlich ist es für mich, wieso die Uni Tübingen die Bürokratie eigenwillig immer noch etwas weiter verschlimmern muss. Vom Beantworten von Mails bis hin zum Stempeln eines Papieres – immer muss man Wochen einplanen. In Helsinki wiederum gibt es fast gar keine Bearbeitungsfristen: Mails sind innerhalb weniger Stunden beantwortet, Probleme am nächsten Tag gelöst und Stempel für offizielle Dokumente

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Die Eingangshalle der Unibibliothek im Kaisa-Talo. Foto: Privat.

werden einem regelrecht nachgeschmissen. „Do you need anything else? Another stamp maybe?“

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Blick auf das Hauptgebäude der Uni Helsinki vom Dom. Foto: Privat.

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Blick auf die Erziehungswissenschaft. Foto: Privat.

Keine Frage, zu Erasmus gehört der Papierschwanz dazu, trotzdem hat jede Uni die freie Wahl, zu entscheiden, wie viele der Dokumente sie als erforderlich erachtet. Für Helsinki gilt dabei: So wenig wie möglich, damit es einfach bleibt. Die Uni Tübingen hat sich dagegen für die aufwendigste und zettelreichste Variante entschieden – obwohl weniger Bürokratie möglich gewesen wäre! Das ist unnötiger Stress, insbesondere, wenn man weiß, wie einfach Studieren sein kann. Orientieren wir uns also am finnischen Vorbild: Nicht nur in der Schule, sondern auch an der Uni.

Was für Erfahrungen habt ihr im Ausland gesammelt? Was macht die Uni Tübingen gut und wo könnte sie noch dazulernen? Schreibt uns eure Meinung und kommentiert hier oder auf Facebook.

UniCafé – die Mensa der Uni Helsinki (nur in besser)

  • Wer an der Uni Helsinki Hunger hat, geht in ein UniCafé. So viele gibt es alleine im Campus Stadtmitte. Bild: Privat.
  • Jedes UniCafé hat jeden Tag ein anderes Menü: Hier das Menü des UniCafé Porthania. Foto: Privat.
  • Wer will, kann sich die Menüs der verschiedenen UniCafés vorher in der App ansehen. Foto: Privat.
  • Jedes UniCafé ist verschieden. Das Olivia mag es bunt. Foto: Privat.
  • Von wegen Mensafraß: Im UniCafé gibt es sogar ständig wechselnde Tischdeko. Foto: Privat.
  • Die Ruhe vor dem Ansturm: Das UniCafé Päärakennus kurz vor der Mittagspause. Foto: Privat.
  • Für 2,60€ erhält Student ein großes Mittagessen. Foto: Privat.
  • Zuerst die Basics: Wasser gibt es in Finnland immer umsonst und so viel man will. Zum Mittagessen gehört außerdem noch Saft oder Milch. Foto: Privat.
  • Salat kann man sich so viel nehmen, wie man will. Foto: Privat.
  • Die Salate sind dabei sehr vielfältig. Foto: Privat.
  • Das Salatdressing kann man sich dann selbst nach Laune mischen. Foto: Privat.
  • Auch bei der Hauptspeise gilt wieder: Egal wie viel, Hauptsache es ist alles auf einem Teller. Foto: Privat.
  • Auch bei Brot und Butter sind keine Grenzen gesetzt. Foto: Privat.
  • Eine Standardportion im Unicafé. Foto: Privat.
  • Und das Beste zum Schluss: Das Essen ist wirklich lecker! Hier gibt es Karjalanpaisti: Karelischer Eintopf. Foto: Privat.
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Über

Charlotte Geißler

... ist seit Anfang 2016 bei cantaloup.fm und auch im Social-Media-Team tätig. Ihre Begeisterung für das Schreiben und für den Journalismus kann sie hier praktisch umsetzen.

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