Da simmer dabei, dat is prima! Wie wird die fünfte Jahreszeit richtig gefeiert?

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Karneval, Fasnet oder Fasching? – Ist das überhaupt so wichtig? Ein Kommentar.

Heute ist Weiberfastnacht. Mit Weiberfastnacht startet auch der Höhepunkt der Karnevalszeit. Lasset die Spiele beginnen: Welche Region hat die beste Fastnacht?

Kennt ihr alle kölnisch-karnevalistischen Begriffe? Falls nicht, findet ihr eine Auflösung am Ende.

Alaaf! Helau! Und Narri Narro!
Das sind einige bekannte Narrenrufe der Karnevalszeit in Deutschland.
So unterschiedlich wie die Rufe, mit denen die Jecken und Narren in die Schlacht der fröhlichen und lauten Straßen ziehen, sind auch die Arten, diese Zeit des Jahres zu feiern. Aber welche ist die einzig Wahre? Ist es Karneval, Fasnet oder Fasching?
Für mich als gebürtige Kölnerin war diese Frage bisher immer eindeutig mit „Karneval“ zu beantworten. Dort heißt es „Kölle Alaaf!“ und „Viva Colonia!“, nicht „Viva was auch immer!“. Aber ich kannte nur den Kölner Karneval. Fasnet oder Fasching waren bloß ferne, fast märchenhafte Begriffe. Ich kannte sie zwar vom Hörensagen und dem Einschalten des SWRs im Fernseher, hatte sie aber nie wirklich zur Kenntnis genommen. Warum auch? Wer braucht schon Fasnet oder Fasching, wenn es Karneval gibt! Geprägt von diesem eindimensionalen Denken feierte, tanzte und lachte ich mich all die Jahre meiner Kindheit und Jugend durch die Karnevalszeit. Durch meinen Umzug ins schöne Schwabenländle vor einigen Jahren feierte ich Karneval dann zum ersten Mal in meinem Leben nicht in Köln. Ich ging von meiner Neugier getrieben mit einer Freundin nach Wernau, um mir das Fasnet-Spektakel einmal mit eigenen Augen anzusehen.

Das Foto zeigt einen Fastnachtsumzug. Eine Gruppe von Hexen mit großen hölzernen Masken läuft über die Straße.

Foto: Hans – witches-283324_1920- (CC0 Public Domain)

Und ich muss sagen, was ich da sah war zunächst ziemlich befremdlich für mich: Überall waren gruselige Masken, Hexen und teufelsähnliche Gestalten! Wo ist der Wagen mit dem Kölner Dreigestirn von Prinz, Bauer und Jungfrau? Wo sind die Musik-Kapellen, welche mir die vertrauten Klänge der Karnevalsmusik spielen? Für den ersten Moment verwirrten mich die neuen Eindrücke und ich wusste nicht wirklich, was ich mit dem fremden Treiben auf der Straße anfangen soll.

Nach meinem ersten kleinen Kultur-Schock habe ich es mit schwindender Verwirrung und wachsender Faszination geschafft zu erkennen, dass sich Karneval, Fasnet und Fasching eigentlich gar nicht so sehr voneinander unterscheiden. Obwohl jedes Fest verschiedene Bräuche, Kostüme und Musik hat, gibt es Gemeinsamkeiten. Alle entspringen dem gleichen Ursprung und haben sich im Laufe der Zeit in den verschiedenen Bundesländern und in verschiedene Regionen verbreitet, weiterentwickelt und verändert. Den Brauch, in der Woche vor Aschermittwoch nochmal richtig auf den Putz zu hauen, gab es so oder zumindest so ähnlich bereits im Mittelalter. Karneval, Fasching und Fasnet teilen aber nicht bloß den Ursprung miteinander. Was die Karnevalszeit primär ausmacht, ist die Zeit, in der Menschen sorgenfrei zusammenkommen, gemeinsam feiern, lachen, Bützje verteilen, und die Narrenfreiheit genießen können.

Und wenn es diese Zeit gleich in mehrfacher Ausführung und in verschiedenen Traditionen zu erfahren gibt, dann ist das doch umso schöner!

Um es in den Worten der Kölner Musikgruppe „die Höhner“ zu formulieren: „Da simmer dabei, dat is prima!“ – und zwar egal ob Colonia oder Schwabenland.

 

Erklärungen des kölnisch-karnevalistischen Fachjargons
„ne Jeck“
: Der „Jeck“ ist die rheinische Bezeichnung für „Narr“. Der Begriff des „Jecken“ wird im Rheinland aber nicht nur während der Karnevalszeit genutzt, sondern umschreibt auch den kölnischen Humor und die kölnische Lebensart. Ein Jeck zu sein bedeutet, sich selber und die Dinge nicht ganz so ernst zu nehmen, die Welt auch schon mal auf den Kopf zu stellen und immer ein wenig gegen den Strom zu schwimmen.

Kölner Dreigestirn: Das Kölner Dreigestirn setzt sich aus dem Prinz, dem Bauer und der Jungfrau zusammen. Sie sind während der Karnevalszeit die offiziellen Regenten über das jecke Volk. Der Prinz steht für Heldenhaftigkeit. Der Bauer, im kölnischen „buur“ genannt, symbolisiert die Wehrhaftigkeit der alten Reichsstadt Köln und gilt als Stadtbewahrer. Auch die Jungfrau ist eine Symbolfigur. Ähnlich wie der Bauer symbolisiert sie die uneinnehmbare und unabhängige Stadt Köln. Die Jungfrau wird fast immer von einem Mann dargestellt.

Bützje: Mit Bützje bezeichnet man in Köln kleine Küsschen mit geschlossenem Mund, die man vor allem während der Karnevalszeit und auch an Fremde verteilt.

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Über

Hannah Golzem

...studiert seit 2015 Allgemeine Rhetorik und Germanistik an der Uni Tübingen und ist seit Herbst 2017 bei cantaloup.fm dabei. Die besten Ideen fallen ihr mitten in der Nacht ein.

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