Digitalisierung an der Uni: Zwischen Smart Board & Papierschein

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Im heutigen Zeitalter wird ständig und überall von der fortschreitenden Digitalisierung gesprochen. Doch wie zufrieden können wir Studierende dabei mit der Universität Tübingen sein? Ein Kommentar.

Die Universitätsbibliothek legt in Sachen Digitalisierung vor und mittlerweile können sogar vereinzelt Vorlesungen im Internet nachverfolgt werden. Doch meiner Meinung nach geht das an der Uni Tübingen zu langsam und insbesondere kaum abgestimmt voran.

Digitalisierung photo

Foto: Anas Qtiesh – Toes (CC Attribution License)

Was ist der Sinn von Digitalisierung?

Meiner Meinung nach sollten mit Hilfe der Digitalisierung an der Universität eigentlich zwei Dinge erreicht werden. Für Studierende sollte das Leben an der Uni einfacher gestaltet werden. Beispielsweise durch zentral und schnell verfügbare Formulare, Unterlagen und Informationen im Internet. Zusätzlich müssten Studierende nicht mehr ständig Scheine oder ähnliches persönlich abholen und abliefern, wodurch viel Zeit gespart wird. Der zweite Punkt wäre das Einsparen tausender unnötiger Papierdrucke, um die allgegenwärtige Ressourcenverschwendung dieser Wegwerfgesellschaft einzudämmen.

Können solche Ziele erreicht werden?

Auch wenn die Digitalisierung an der Uni vorangetrieben wird, wirkt es auf mich eher wie ein Digitalisierungs-Chaos. Auf Campus ist es nicht möglich, sich für alle Kurse direkt anzumelden. Gerade bei den Schlüsselqualifikationen braucht es oft eine Anmeldung beim Dozenten per E-Mail, beim Fachsprachenzentrum möchte ich lieber erst gar nicht anfangen. Scheine von Prüfungsleistungen werden nach wie vor oftmals auf Papier ausgestellt und müssen dann natürlich persönlich am Prüfungsamt eingereicht werden. Neben Ilias werden URM, InfoMark, Discord, Moodle und andere Plattformen für Datenaustausch und Kursorganisation von den verschiedenen Instituten genutzt. Auch die für mich oftmals lästigen Literaturrecherchen werden durch etliche unterschiedliche Literaturportale, zu denen die Universität wiederum oft nur begrenzt Zugang hat, nicht gerade vereinfacht.

Digitalisierung photo

Foto: dirkvorderstrasse – Altpapierentsorgung (CC Attribution License)

Als mit Abstand am absurdesten sehe ich jedoch die vermeintliche Digitalisierung der Seminare. Hier werden einem Reihenweise Artikel, Paper, Informationen, Aufgaben und der Seminarplan ausgedruckt vom Dozenten gegeben. Gleichzeitig sind alle diese Dokumente ebenfalls auf Ilias hochgeladen oder frei im Internet zugänglich. Folglich landen meiner Erfahrung nach 95 Prozent der Blätter grundsätzlich direkt nach dem Seminar im Papierkorb.

Auch wenn die Digitalisierung an der Universität voranschreitet, scheint es an übergeordneter Koordination zu fehlen. Letztlich wird zu oft parallel zu den digitalen Kanälen noch an analogen Relikten festgehalten. Entsprechend sollte meiner Meinung nach das bestehende Digitalisierungszentrum mehr Gewicht erhalten und verbindliche Leitsätze mit den Instituten erarbeiten, anstatt Alleingänge zu tolerieren.

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Über

Daniel Anhorn-Weckesser

...studiert Sportmanagement am IfS in Tübingen. Neben der Tätigkeit bei Cantaloup, ist er als Fußballtrainer im Jugendbereich tätig.

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