Cyber Valley – die Öffentlichkeit diskutiert mit

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Ein Rückblick zur Podiumsdiskussion zwischen Kupferbau-Besetzern und Vertretern der Universität Tübingen.

Tübingen ist laut Informatikprofessorin Ulrike von Luxburg einer der führenden Standorte weltweit für maschinelles Lernen. Unter anderem deswegen soll hier der Forschungskomplex Cyber Valley entstehen. Daran beteiligen sich neben der Universität Tübingen und dem Max-Planck-Institut für intelligente Systeme auch das Land Baden-Württemberg und mehrere große Unternehmen.

Seit zwei Wochen ist der Tübinger Kupferbau besetzt. Der Grund: Gegner des Cyber
Valleys in Tübingen fordern wesentliche Veränderungen an der Durchführung des Projekts. Am Dienstag, den 18.12. haben sich Besetzer und Vertreter der Universität Tübingen erstmals seit der Kupferbaubesetzung an einen gemeinsamen Tisch gesetzt. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurde auch die Öffentlichkeit miteinbezogen. „Wir akzeptieren, dass ein Informationsbedürfnis besteht“, so Universitätsrektor Bernd Engler.
Dieses Informationsbedürfnis spiegelte sich im regen Andrang bei der Veranstaltung wider. Alle Sitzplätze im großen Hörsaal 25 des Kupferbaus waren belegt.

Kontroverse Standpunkte

Podiumsdiskussion im besetzten Kupferbau

Foto von cantaloup.fm

Im ersten Teil positionierten sich die verschiedenen Teilnehmer der Diskussion. Die Gegner des Cyber-Valleys prangerten die Intransparenz des Projekts an sowie die Beteiligung moralisch bedenklicher Unternehmen wie amazon. Außerdem sprachen sie sich gegen das Betreiben von Rüstungsforschung in dem neuen Forschungskomplex aus. Universitätsrektor Bernd Engler und die Professor*innen Ulrike von Luxburg und Matthias Hein hoben hingegen die nützlichen Innovationen hervor, die das Cyber Valley bringen werde. Als Beispiel nannten sie den Gesundheitsbereich. Außerdem verteidigten sie sich vehement gegen den Vorwurf, im Cyber Valley Rüstungsforschung zu betreiben. Um transparenter zu sein werde daran gearbeitet, die Cyber Valley-Verträge zu veröffentlichen. Es fände zudem sehr wohl eine ethische Hinterfragung der Forschung an künstlicher Intelligenz und der wirtschaftlichen Nutzung der Forschungsergebnisse statt, so die Informatikprofessorin Ulrike von Luxburg. Des Weiteren, sagte Luxburg, sei es faktische Realität, dass fast alle Informatiker später in der Industrie arbeiten und daher gerechtfertigt, sie auch dafür auszubilden. Die daran anknüpfende Frage, inwieweit Forschung und Industrie miteinander verflochten werden dürfen, ist ein zentraler Bestandteil der Cyber Valley-Debatte. Die Gegner sprechen sich für eine klare Trennung aus. Die Befürworter erachten eine unabhängige Forschung ebenso als wichtig, schließen jedoch eine Zusammenarbeit mit Unternehmen nicht aus.

Sachliche bis aufgeheizte Stimmung

Die Diskutierenden blieben während der Debatte vorwiegend sachlich und fair. Vor allem Darlegungen von Vertretern der Universität wurden jedoch öfter von Zwischenrufen aus dem Publikum unterbrochen. Mit der offenen Fragerunde aus dem Publikum wurde die Debatte emotionaler. Es gab immer wieder Zwischenrufe oder Applaus im Hörsaal. Auch am Ende schienen noch viele Fragen offen zu sein. Insgesamt begrüßten sowohl die Podiumsgäste als auch Besucher der Veranstaltung den Dialog.

Fazit der Diskussion

Es bleibt offen, ob es sich um eine Informationsveranstaltung über ein längst beschlossenes Projekt gehandelt hat oder ob der geäußerte Wunsch einer Studierenden, „wir wollen nicht Entscheidungen mitdiskutieren, sondern mitentscheiden“, sich erfüllen wird.

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