Science Notes – Künstliche Intelligenz verständlich erklärt

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Im Rahmen der Science Notes halten verschiedene Wissenschaftler 15-minütige Vorträge. Die Vorträge, die im Tübinger Club „Schlachthaus“ stattfanden, behandelten das aktuelle Thema Künstliche Intelligenz (KI).

Am Veranstaltungsort waren mehr Menschen, als der Raum Platz bot. Die Vorträge wurden daher ins Restaurant „Africa“ sowie in einem weiteren Hörsaal im Brechtbau übertragen. Ein wichtiges Thema des Abends war auch die Forschungsinitiative Cyber Valley.

Der erste Vortrag von Prof. Dr. Hennig, Professor für Methoden des Maschinellen Lernens, begann mit einer Erläuterung: Eine lernende Maschine sei ein Rechenalgorithmus, der mit Hilfe von Daten Modelle verbessere. Er betonte, dass die Modelle, auf denen der Algorithmus basiert, dabei wichtiger seien als die bloße Menge von verfügbaren Daten: Es sei nicht automatisch im Vorteil, wer die meisten Daten hat. Prof. Dr. Hennig zeigte, wie Modelle, die in seiner Arbeitsgruppe entwickelt worden sind, Fortschritte bei der Bestrahlung von Krebstumoren gebracht haben. Am Ende seines Vortrags betonte er, dass im Cyber Valley Forscher aus verschiedensten Disziplinen mitwirken – nicht nur Informatiker, sondern unter anderem auch Ethiker und Philosophen.

Dr. Anna Levina hielt den zweiten Vortrag. Sie ist theoretische Neurowissenschaftlerin an der Universität Tübingen und forscht an den allgemeinen Prinzipien des Gehirnaufbaus. Heutige „Supercomputer“ hätten eine ähnliche Rechenleistung wie das menschliche Gehirn, seien aber weitaus weniger effizient, was Energie- und Platzbedarf angehe.

Publikum bei den Science Notes 2019

Foto: Patrick Gerstorfer für Science Notes

Wie sehen Maschinen unsere Welt?

Dr. Wieland Brendels Vortrag befasste sich mit der Frage, wie Maschinen unsere Welt sehen. Menschen orientierten sich hauptsächlich an der Gestalt eines Objekts, Maschinen an der Textur. Demnach erkennen Menschen ein künstliches Bild einer Katze mit Elefantenhaut eher als Katze, Maschinen kategorisieren das Bild hingegen eher als Elefanten. Maschinen verstünden nicht, was “Objekte” sind und achteten nicht auf die Komposition einer Szene.

Den letzten Vortrag hielt die Physikerin Dr. Caterina De Bacco. Sie ist Cyber Valley Group Leader am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. Besonders wichtig sei ihr die Zusammenarbeit mit Experten aus anderen Feldern, insbesondere aus den Sozialwissenschaften, um anwendungsorientierte Probleme zu lösen. Dazu entwickelt sie Algorithmen, die danach der Allgemeinheit zur freien Verfügung stehen.

Vortrag bei den Science Notes 2019

Foto: Patrick Gerstorfer für Science Notes

Fragen an Prof. Dr. Hennig und Dr. Levina

Im Zentrum vieler Publikumsfragen stand die Abschätzbarkeit der gesellschaftlichen Folgen von KI durch KI-Forscher. Prof. Hennig vertrat die Auffassung, dass Wissenschaftler nicht jede Frage beantworten können. Gerade deshalb sei es wichtig, dass die Gesellschaft über die Auswirkungen debattiert. Er begrüßte auch die Debatte um die Rolle der amazon-Niederlassung auf der „Oberen Viehweide“. Die finanzielle Beteiligung amazons an der Cyber Valley-Initiative sei hiervon aber getrennt zu bewerten: Die Initiative geht vom Land Baden-Württemberg aus und werde nur zu einem Teil von Industriepartnern gefördert.

Dr. Levina ergänzte, dass die Gesellschaft sich überlegen müsse, was sie zulassen wolle und was nicht. Sie sähe aber die Gefahr, dass die Leute, wie es in der Geschichte oft der Fall gewesen sei, zu viel Angst vor Fortschritt und neuen Dingen haben.

Entscheidet die Industrie, was geforscht wird?

Es kam weiterhin die Frage auf, wer entscheide, was geforscht wird. Die Ziele seien zu sehr von der Industrie gesteckt und zu wenig an den echten Problemen unserer Zeit ausgerichtet. Dr. Levina und Prof. Hennig antworteten beide, dass sie ihre Forschungsgebiete frei ausgesucht hätten. Des Weiteren habe der Exzellenzcluster zum Maschinellen Lernen in Tübingen auch das Ziel, Forschung in eine Richtung zu betreiben, die nicht von der Industrie verfolgt wird. Auf die Frage zur Rolle der Ethik in der KI-Forschung wies Prof. Hennig zudem darauf hin, dass in dem Antrag zum Exzellenzcluster von Anfang an eine Beteiligung von Ethikern eingeplant wurde.

Durch die Einblicke in aktuelle Forschung lieferte der Abend einen wertvollen Beitrag zur derzeitigen Debatte um Künstliche Intelligenz. Aber auch unabhängig davon waren die Science Notes sehr unterhaltsam und informativ. Der große Besucherandrang zeigte, wie relevant das Thema Künstliche Intelligenz derzeit ist.

  • Diskussionsrunde bei den Science Notes 2019 in Tübingen

    Foto: Patrick Gerstorfer für Science Notes

    Die Science Notes stellen aktuelle Forschung zu aktuellen Themen vor. Dabei haben die eingeladenen Wissenschaftler 15 Minuten Zeit, um ihre Forschung verständlich zu präsentieren. Der Eintritt ist frei, und alle Vorträge findet man auf YouTube. Die Veranstaltung findet immer in einem Club statt und wird von elektronischer Livemusik begleitet. Die Science Notes gibt es mittlerweile deutschlandweit, sie haben ihre Anfänge aber hier – im Seminar für Allgemeine Rhetorik der Uni Tübingen.

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Über

Dennis Huben

... promoviert in den Neuro- und Verhaltenswissenschaften. Er ist seit Sommer 2018 bei cantaloup.fm.

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