Natürliche Lebensräume auf Tübingens Wiesen

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Studierende sorgen für größere Artenvielfalt: Die “Bunte Wiese” verwandelt Rasenflächen in Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Dazu werden in Zusammenarbeit mit der Stadt Tübingen öffentliche Flächen ausgesucht und vom grünen Rasen in bunte Wiesen umgewandelt. Das geschieht primär durch eine Änderung der Pflege: weniger Mähen und die Natur mehr sich selbst überlassen.

Viele von uns sehnen sich zurzeit nach dem Frühling. Wenn Tiere und Pflanzen wieder zum Leben erwachen, kann man in Tübingen etwas sehen, was man in anderen Städten selten findet: öffentliche Flächen, die verwildert aussehen, anstelle von kahl geschorenem Rasen. Verantwortlich dafür ist die Initiative „Bunte Wiese“, die sich die Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt zum Ziel gemacht hat. Gegründet wurde die Initiative im Jahr 2010 von Studierenden und Mitarbeitern der Universität. Prof. Dr. Oliver Betz, Professor am Institut für Evolution und Ökologie, unterstützt das Projekt.

Anlass war eigentlich die Grünflächenpflege, wie sie hier am Campus stattgefunden hat. Das heißt, es wurde einmal im Monat intensiv gemäht, das Mahdgut wurde anschließend liegen gelassen und man hatte im Grunde immer dann, wenn man die ersten Blüten sah, wieder das Gefühl, es wird wieder alles zunichte gemacht“

Um Rasenflächen in Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu verwandeln ist nicht viel nötig.

Man muss einfach nur mit einfachen Maßnahmen die Pflege umstellen. Sprich: Der erste Mähzeitpunkt des ersten Schnittes sollte frühestens Ende Juni, Mitte Juli stattfinden.“

Individuelle Maßnahmen für die Wiesen

Die individuellen Flächen werden aber auch einzeln betrachtet und die Maßnahmen werden an die Fläche angepasst. Wissenschaftler und Studierende begleiten das Projekt wissenschaftlich. Zum Beispiel wird so über mehrere Jahre hinweg beobachtet, wie sich die Artenvielfalt auf den Flächen verändert. So können interessierte Studierende im Rahmen der „Bunten Wiese“ Abschlussarbeiten schreiben.

Diese Flächen bieten sich eigentlich an für Leute, die im Bereich Stadtökologie, Biodiversitätsforschung oder auch einfach Artenkenntnis, Faunistik, Floristik arbeiten wollen.

Auch Tamara Ayoub, die vor einigen Jahren als Studentin bei der „Bunten Wiese“ angefangen hat, stellt die Vielfältigkeit der Themen heraus.

“Nicht nur die Botaniker sind hier herzlich willkommen, und auch nicht nur die Entomologen, also die Insektenfreunde, sondern wir haben auch was für die Mikrobiologen. Da haben wir jetzt auch eine Abschlussarbeit gehabt. Insofern können hier ganz viele verschiedene Interessensgebiete einfach verbunden werden.”

Darüber hinaus können Studierende auch einfach so Kontakt aufnehmen und mitmachen. Über das Service Learning der Universität kann man dafür auch ECTS erhalten.

Öffentlichkeitsarbeit

Nicht nur direkt in der Pflege der Wiesen, sondern auch in der Öffentlichkeitsarbeit ist die „Bunte Wiese“ fleißig. Sie bietet zum Beispiel Informationen für Interessierte, damit die im eigenen Garten aktiv werden können. Bis zum 10. Februar 2019 läuft noch die Ausstellung „Wir mähen Tübingen bunt!“ im Botanischen Garten der Universität.

  • Prof. Dr. Oliver Betz ist Professor für Evolutionsbiologie der Invertebraten an der Universität Tübingen. Mit seiner Forschung versucht er unter anderem zu verstehen, wie sich Umwelt- und evolutionäre Faktoren auf die Form und Eigenschaften der Struktur von Insekten auswirken.

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Über

Dennis Huben

... promoviert in den Neuro- und Verhaltenswissenschaften. Er ist seit Sommer 2018 bei cantaloup.fm.

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