Werkeln und plaudern im Reparaturcafé

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Nicht alles, was kaputt ist, ist auch irreparabel. Im Reparaturcafé können Kunden mit erfahrenen Ehrenamtlichen Fahrräder und Elektrogeräte wieder instand setzen.

In der Fahrradwerkstatt „Gepäckträger“ in Tübingen habe ich einen Einblick in die Arbeit eines Reparaturcafés bekommen.
Unsere Autorin berichtet von ihren Erfahrungen zwischen Werkzeug und Kaffee.

Wenn ihr ein Fahrrad besitzt, kennt ihr sie bestimmt: die kleinen aber nervigen Fahrraddefekte. Als mir vor kurzem meine Fahrradbremse kaputt gegangen ist, habe ich beschlossen, diesmal in einem Reparaturcafé nach einer Lösung zu suchen. Dazu bin ich den steilen Weg in den Tübinger Stadtteil WHO hinaufgefahren und habe mich dort in der Reparaturwerkstatt „Gepäckträger“ umgesehen. Jeden Freitag von 14:30 bis 17 Uhr wird hier an Fahrrädern und Elektrogeräten geschraubt. Wer etwas zu reparieren hat, kann einfach vorbeikommen. Was ist denn da der Unterschied zur normalen Fahrradwerkstatt?

Oliver Baur:

„Wir machen oft den Witz, dass wir in der Fahrradwerkstatt nach [der]Reparatur die Hände kontrollieren; wenn die Hände schmutzig sind, dann muss man nichts bezahlen, das bedeutet ja, dass man mitgearbeitet hat. Das Gleiche gilt auch in der Elektrowerkstatt. Es ist schon gewünscht, dass die Kunden bei der Reparatur dabei sind und eigentlich auch selbst mit Hand anlegen.“

Das erklärt mir Oliver Baur, der Leiter des Reparaturcafés „Gepäckträger“. Die Kund*innen bezahlen hier nur für Ersatzteile, aber nicht für die Reparatur an sich. Um das zu ermöglichen, erhält die Reparaturwerkstatt „Gepäckträger“ unter anderem finanzielle Unterstützung von der Stadt Tübingen.

Entspannt Reparieren zwischen Werkzeug und Kaffee

Zum Reparaturcafé gehört neben der Arbeit natürlich auch der Kaffee. Den bereitet Ramón Wang zu, einer der Jugendlichen aus der Jugendhilfestation nebenan. Die Jugendlichen unterstützen die Werkstatt und engagieren sich wie Ramón zum Beispiel im Café.

Ramón Wang:

„Wenn Leute also hierherkommen und dann warten aufs Fahrrad, dann freu ich mich selbst, wenn sie sich freuen, wenn ich n Kaffee ihnen machen kann oder so.“

Ramón hilft schon seit der Gründung 2015 im Reparaturcafé mit. Außerdem gehören ehrenamtliche Rentner*innen mit zum Team. Die Kund*innen seien laut Baur ein bunter Querschnitt der WHO-Bevölkerung. So treffen hier jeden Freitag verschiedene Generationen und Nationalitäten aufeinander und werkeln gemeinsam.

Gebhart Weber-Keinath:

„Also ich find es ne sehr sinnvolle Einrichtung. Wir verstehen uns gut unter den Ehrenamtlichen und ich mag so vom Publikum, dass es sehr gemischt ist und dass ich aber den Eindruck hab, dass wirklich viele, insbesondere Kinder, aber auch Familien unterstützt werden, die das auch brauchen.“

Seit einigen Jahren wird das Konzept Reparaturcafé in Deutschland zunehmend populärer. Das Netzwerk Reparatur-Initiativen verzeichnet derzeit über 800 Reparaturcafés in Deutschland. In Tübingen gibt es mehrere Reparaturcafés, neben dem „Gepäckträger“ zum Beispiel das Werkstatthaus im Französischen Viertel.
Was meine kaputte Bremse betrifft: gemeinsam konnten wir das Problem feststellen und Abhilfe schaffen. Der Besuch eines Reparaturcafés lohnt sich meiner Meinung nach für jeden, der ein bisschen Zeit mitbringt, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten will und Interesse daran hat, sich mit anderen Menschen auszutauschen.

  • Oliver Baur ist der Leiter der Fahrradwerkstatt “Gepäckträger” und außerdem in der Jugendhilfestation Nord der Martin-Bonhoeffer-Häuser tätig. Er hat die Werkstatt als neues Projekt seit 2015 mit aufgebaut.

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...studiert Rhetorik und Internationale Literaturen und ist seit 2018 bei cantaloup.fm dabei. Die besten Texte produziert sie mit ihrem Lieblingsfüller.

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