Lasst uns schlafen!

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Warum die Uni-Bib einen Ruheraum für Nickerchen braucht. Ein Kommentar.

Schlafen kann eine effiziente und gesunde Strategie zum Überwinden von Aufmerksamkeits-Tiefs sein. Ein geeigneter Ort zum Abschalten ist die Voraussetzung dafür.

Wo kann ich mich ausruhen?

Der Tag in der Uni-Bib kann lang werden. Wer von morgens bis abends an der Klausurvorbereitung oder einer Hausarbeit sitzt, stößt dabei früher oder später an die Grenzen seiner Konzentrationsfähigkeit. Spätestens sobald sich die Augenlider beim Anblick von Bildschirmen oder Buchseiten kaum noch der Schwerkraft widersetzen können, ist es Zeit für eine Pause.  Anstatt meinen Koffeinkonsum weiter in die Höhe zu treiben, würde ich in solchen Momenten am liebsten einfach den Kopf sinken lassen und ein kurzes Nickerchen einlegen. Aber wo?

Schlafräume sind die Lösung

Sich in der Uni-Bib mitten zwischen seinen arbeitenden Kommilitonen aufs Ohr zu legen,  fühlt sich eher unangenehm und unproduktiv an. Schließlich ist der Arbeitsbereich nicht der richtige Ort für Ruhe und Erholung. Zum einen erscheint das Schlafen in der konzentrierten Atmosphäre unpassend. Sich einen Wecker zu stellen, um vor der Tiefschlafphase wieder aufzuwachen, kommt deshalb nicht in Frage. Zum anderen ist die Sitzposition am Tisch unbequem und zum Schlafen ungeeignet. Beim Aufwachen sind möglicherweise die Arme eingeschlafen oder der Nacken ist verspannt. Darüber hinaus stört das helle Licht. In einem abgedunkelten Raum mit Betten ließe es sich deutlich besser schlafen. Der Weg zum eigenen ruhigen Zimmer ist für mich sowie für viele andere Studierende zu weit für einen kurzen Abstecher in der Mittagspause. Die Forderung nach einem Schlaf- und Erholungsraum in der Uni-Bib liegt demnach nahe.

In der Schweiz hat der Akademische Sportverband Zürich dieses Angebot bereits geschaffen. An mehreren Standorten gibt es „Relaxräume“ inklusive Liegen und einem Weckdienst. Solch einen Rückzugsort wünsche ich mir auch in Tübingen.
Mit der Überzeugung, dass Schlafen am Nachmittag gesund und gewinnbringend ist, bin ich nicht allein.

Mittagsschlafkultur in Asien

Im asiatischen Raum ist der kurze Mittagsschlaf längst eine gängige Kulturpraxis. Sogenannte „Power-Naps“ gehören in China zum Arbeitsalltag wie bei uns gelegentliche Kaffee- oder Raucherpausen. Davon berichten Auslandskorrespondenten beispielsweise in der Global Times, der Zeit und den Schweizer Nachrichten. Die große Gewichtung und der Glaube an die heilsame Wirkung von Schlaf sind tief in der traditionellen chinesischen Medizin und Kultur verankert.

Studien liefern Argumente

Auch die moderne Forschung zeigt immer wieder gute Gründe für die kurzen Schlafeinheiten während des Tagesgeschehens auf. Eine Studie der NASA konnte belegen, dass sich durch “Power-Napping” die Leistung des Arbeitsgedächtnisses verbessert. Weitere Studien zeigen, dass sich auch die Frustrationstoleranz und die Impulskontrolle sowie die assoziative Gedächtnisleistung steigern.

Natürlich darf nicht außer Acht gelassen werden, dass ein Mittagsschlaf auch negative Effekte haben kann. Deshalb sind vor allem der Zeitpunkt und die Länge der Schlafpause entscheidend. Wer im falschen Moment aufwacht, ist möglicherweise noch müder als zuvor. Und wer sich erst am späten Nachmittag hinlegt, riskiert nachts schlechter zu schlafen. Die amerikanische „National Sleep Foundation“ empfiehlt für den “Power-Nap” daher eine Länge von 10 bis maximal 30 Minuten. Schon in dieser kurzen Zeit lässt sich die Konzentrationsfähigkeit zurückgewinnen. Viel effizienter, gemütlicher und gesünder zugleich geht es meiner Meinung nach kaum. Darum sollte es nicht nur Zeit, sondern auch Raum für Pausen zum Abschalten geben.

In unserer cantalumne spießen unsere Autoren immer mittwochs ein aktuelles Thema aus Hochschulpolitik oder Unileben auf. Es geht um das, was Tübingen bewegt – und was unsere cantalumnisten davon halten. Ihr habt eine andere Meinung? Schreibt sie uns!
– Überblick American Psychological Association: https://www.apa.org/monitor/2016/07-08/naps
– Zeit-Artikel zum Thema Mittagsschlaf: https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2010-10/Nickerchen-Powernap-Arbeit
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Über

Sofia Morelli

... hat im Wintersemester 2017/18 ein Physikstudium in Tübingen begonnen. In ihrer Freizeit spielt sie Horn und Theater, besucht kulturelle Veranstaltungen und schreibt Artikel für die Pforzheimer Zeitung. In der Zukunft möchte sie ihre unterschiedlichen Interessen im Berufsfeld Wissenschaftsjournalismus miteinander verbinden.

1 Kommentar

  1. Wozu ein kleiner Mittagsschlaf gut ist - Gut einschlafen und durchschlafen

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