Der schuppige Hausgenosse: Reptilienhaltung zwischen Angst und Faszination

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In Mössingen werden Schlangen, Pfeilgiftfrösche und Vogelspinnen liebevoll gehalten, in Tübingen fürchten sich einige vor den Schützlingen der anderen. Ein Beitrag von Mara Lucas.

Tübinger sind zur Terrarienhaltung unterschiedlicher Meinung: Denn die, die keine Angst zeigen, äußern in der Umfrage ihre Sorge um das Wohl von Schlange, Echse und Spinne. cantaloup.fm führt mit dem Verein der Terrarien- und Aquarienfreunde Mössingen ein Gespräch über Vorurteile gegenüber Terrarianern, artgerechte Haltung und den Umgang mit der Nachbarschaft.

Skorpione, Vogelspinnen, Blood-red-Kornnatter. Andreas Müller, Terrarienfreund des Mössinger Vereins liebt und pflegt sie. Seit 19 Jahren. Nicht alle verstehen seine Hingabe.

Andreas Müller:

„Hhh, Oh Gott, Schlange! Uuh – glitschig, eklig, uh je!“ So haben die reagiert am Anfang. Hat sich relativ schnell gelegt, weil ich ja dene au`erklärt hab, warum ich das Tier halte, wie ich das Tier halte. Ausbruchsicher auf jeden Fall, a Schloss ist dran, da kann gar nichts passieren. Die kommen schon ganz gut klar.“ 

Seinen Nachbarn konnte er die Angst nehmen. Doch viele Tübinger fürchten sich. Sich selbst eine Schlange halten – undenkbar.

Tübinger Passantin:

„Ich hab´ Angst vor denen und ich finde das nicht richtig, wenn man die im Wohnbereich hat, und ich arbeite an ´ner Schule und hab a Kind, die haben `ne Schlange zuhause und der kriegt die immer beim Hausaufgaben machen um den Hals gehängt. Ich find das vollkommen pervers so was.“ 

Wobei das nicht das übliche Vorgehen ist, sich die Schlange um den Hals zu wickeln. Andreas Müller stellt klar:

„Terrarientiere, auch wenn´s für kleine Kinder schwerfällt, sind keine Kuscheltiere. Das muss den Leuten klar sein: im Terrarium ist der Lebensraum vom Reptil, hinterm Glas, vor dem Glas ist der Lebensraum vom Mensch[en].“

Vorurteile gegenüber den Terrarianern kennt Martina Pelzmann. Auch sie ist beim Mössinger Verein der Aquarien- und Terrarienfreunde. Sie hält Smaragdnattern und Pfeilgiftfrösche:

„Man eckt an, wenn man sagt, was man für ein Terrarientier hält. Angefangen vom Ekel: „Ihh wie kannst du nur“, bis zu „Tierquäler“, also man kriegt schon einiges zu hören.

Auch von einigen Tübinger Bürgern. Wie die Terrarianer denken sie über das Wohl der Tiere nach.

Tübinger Passantin:

„Ich hab´ da keine Ängste, aber ich denk, dass das nicht artgerecht ist, Schlangen so zu halten, die sollten lieber in der Natur leben.“

Die Mössinger Terrarienfreunde wissen, wie artgerechte Haltung aussehen muss und das wollen sie weitervermitteln. Martina Pelzmann fände sogar eine verpflichtende Prüfung für Terrarianer notwendig: Den Sachkundenachweis für private Halter. Doch sie sorgt sich auch um die Reptilien in freier Wildbahn. Die Gefährdung ihrer Schützlinge brachte sie zur Terraristik.

Martina Pelzmann:

„Man sieht´s: Immer mehr Tiere, die werden heute entdeckt, sind morgen schon wieder verschwunden. Und mir Terrarianer, wir wollen einfach die Tiere erhalten. Das machen wir auch durch die Zucht von dene Tiere. Ich will meinen Enkelkindern irgendwann mal zeigen können: „Das ist ein Pfeilgiftfrosch, den gibt es draußen nicht mehr.“

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Bildquelle: Privat

Der Verein der Aquarien- und Terrarienfreunde Mössingen wurde 1986 gegründet. Exotische Schützlinge zeigt der Verein auf der jährlichen Ausstellung in Mössingen und vermittelt Wissen über deren artgerechte Haltung. Der Verein widmet sich neben der Terraristik auch Süß- und Meerwasseraquarien und dem Gartenteich. Die Aquarien- und Terrarienfreunde haben nicht nur Erfahrungsaustausch und Pflege ihrer Schützlinge im Sinn, sondern vor allem auch den Erhalt existierender Arten und Hilfe beim Start in das Hobby.

Andreas Müller ist im Verein der Spartenleiter für Terraristik.
Martina Pelzmann hat den §11- Schein, einen Sachkundenachweis für artgerechte Haltung in der Terraristik absolviert.

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Studentisches Ausbildungsmedium für crossmedialen Journalismus an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

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